Iranische Zeitungen mit dem Porträt Aminis | VIA REUTERS

Proteste im Iran 40-tägige Trauerzeit um Amini geht zu Ende

Stand: 26.10.2022 04:24 Uhr

40 Tage nach dem Tod der iranischen Kurdin Amini gibt es wieder Aufrufe zu Protesten im Iran. Aktivisten zufolge warnten Sicherheitsdienste Aminis Familie davor, an diesem Tag eine Zeremonie abzuhalten.

Knapp 40 Tage nach dem Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini haben Demonstranten wieder zu Protesten aufgerufen. "Es ist keine Zeit für Trauer, sondern für Wut", hieß es auf einem im Netz geteilten Protestaufruf. Im schiitischen Iran wird nach dem Tod eines Familienmitglieds traditionell 40 Tage lang getrauert. Die Sicherheitsbehörden rüsten sich für landesweite Proteste. Bisher haben sie die systemkritischen Demonstrationen im Iran gewaltsam niedergeschlagen. Beobachter erwarten für heute dennoch wieder Menschenmassen auf den Straßen.

Auslöser der systemkritischen Proteste im Iran war der Tod der 22-jährigen Amini. Die Moralpolizei hatte sie festgenommen, weil sie gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verstoßen haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Aktivisten werfen den Sicherheitskräften vor, die junge Frau misshandelt zu haben.

Familie gibt keine Zeremonie

Aminis Familie kündigte an, dass es "in Anbetracht der Umstände und um unglückliche Probleme zu vermeiden, keine Zeremonie" geben werde, "die den 40. Tag (nach dem Tod) unseres Lieblings markiert", wie es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Irna veröffentlichten Erklärung hieß.

Aktivisten zufolge warnten Sicherheitsdienste Aminis Familie davor, an diesem Tag in der Provinz Kurdistan eine Zeremonie abzuhalten und die Menschen zu bitten, das Grab ihrer Tochter zu besuchen. Der Familie sei gedroht worden, dass sie sich andernfalls "um das Leben ihres Sohnes sorgen" müsse, hieß es. 

Regierungssprecher wird ausgebuht

Auch am Dienstag setzten Studierende im Iran landesweit ihre Proteste fort. Bei einem Vortrag in der religiösen Hochburg Ghom wurde ein Regierungssprecher erneut ausgebuht. Studierende riefen Sprechchöre bei dem Besuch des Regierungssprechers Ali Bahadori Dschahromi an einer Universität, wie die iranische Zeitung "Hammihan" berichtete. Auch der Protestslogan "Frau, Leben, Freiheit" sei gerufen worden. Bereits am Montag war Dschahromi von Studierenden ausgebuht worden.

Mindestens 250 Menschen getötet

Seit Aminis Tod demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie das islamische Herrschaftssystem. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden bereits mindestens 250 Menschen getötet und mehr als Zehntausend verhaftet.

Irans Justiz setzt weiter auf einen harten Kurs gegen Teilnehmer der Demonstrationen. Im Zusammenhang mit den Protesten sind nach Angaben von Staatsmedien Hunderte Menschen angeklagt worden. In Teheran sollen sich 315 Demonstranten vor Gericht verantworten. Vier Personen werde demnach auch "Krieg gegen Gott" vorgeworfen. Damit droht ihnen gemäß des islamischen Rechtssystems im Iran die Todesstrafe.

Präsident Ebrahim Raisi verteidigte bei einem Medientreffen den harten Regierungskurs. Er warf dem Westen erneut vor, sich in die inneren Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Als Grund nannte Raisi unter anderem die Rolle der Medien im Ausland. Unterdessen ist das Internet im Iran seit Wochen stark eingeschränkt. Dutzende Journalisten wurden im Rahmen der Proteste verhaftet.