Die Uran-Anreicherungsanlage Natanz Nahe Teherans. | REUTERS

Streit um Urananreicherung Iran schränkt Atom-Überwachung ein

Stand: 08.06.2022 22:07 Uhr

Der Streit über das iranische Atomprogramm spitzt sich zu. Der Iran kündigte an, zwei Überwachungskameras der Internationalen Atomenergiebehörde in einer Urananreicherungsanlage abzubauen. Die USA reagierten besorgt.

Iran hat die Abschaltung von zwei Kameras zur Überwachung seiner Nuklearanlagen angekündigt. Das berichtete der Staatssender Irib. Die USA sprachen umgehend von einem sehr bedauerlichen Vorgang, der kontraproduktiv für eine diplomatische Lösung des Konflikts sei.

Der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) teilte mit, der Iran habe damit begonnen, die unterirdischen Anlagen in Natans zur Anreicherung von Uran mit neuen Zentrifugen zu erweitern. Die IAEA verabschiedete in Wien eine Resolution, in der Teheran zur vollen Kooperation mit IAEA-Inspektoren aufgerufen wurde. Unter den 35 Ländern in dem Gremium stimmten laut Diplomaten nur Russland und China dagegen, drei Länder enthielten sich.

Messkameras für Anreicherungsprozesse

Teheran hat stets betont, nicht wie vom Westen und Israel befürchtet, nach Atomwaffen zu streben, sondern Uran nur für Atomkraftwerke und für wissenschaftliche und industrielle Zwecke zu verwenden. Die IAEA war jedoch bislang nicht in der Lage, dies zu bestätigen. Bei den nun abgeschalteten Geräten soll es sich um Messkameras für Anreicherungsprozesse handeln. Um welche Anlagen es genau ging, wurde nicht gesagt.

Derzeit wird im Iran nach offiziellen Angaben in Natans Uran angereichert. Die Kameras waren zuletzt aktiv, die gespeicherten Daten werden jedoch seit Anfang 2021 nicht mehr an die IAEA weitergeleitet. Eigentlich hätte der Iran bis Anfang Juni Antworten zu möglichen geheimen Atom-Aktivitäten in der Vergangenheit liefern sollen.

Prozess ist festgefahren

Laut IAEA-Chef Rafael Grossi hat die Islamische Republik noch immer keine technisch glaubwürdigen Erklärungen abgegeben. Über Beschränkungen des iranischen Atomprogramms wird seit Monaten in Wien unter Vermittlung von China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland verhandelt. Der diplomatische Prozess zur Rettung des Atompaktes mit dem Iran aus dem Jahr 2015 ist seit Monaten jedoch festgefahren. Die neuerliche Beschränkung des iranischen Atomprogramms ist fast ausverhandelt, doch Washington und Teheran sind noch uneins über die Aufhebung von US-Sanktionen.