Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans | dpa

Bericht der IAEA Iran verstößt gegen Abkommen

Stand: 31.05.2021 21:25 Uhr

Nach Schätzungen der Atomaufsicht IAEA verfügt der Iran über wesentlich mehr angereichertes Uran als vereinbart. Darunter seien auch 2,4 Kilogramm fast waffentaugliches Material.

Der Iran besitzt nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) über mehr angereichertes Uran als im internationalen Atomabkommen von 2015 vereinbart. Die Bestände würden auf 3241 Kilogramm geschätzt, heißt es in einem Bericht der Behörde. Sie überschritten damit die erlaubte Menge um mehr als das 16-fache.

Nach den Definitionen der Atomaufsicht gilt Uran dann als hochangereichert, wenn das Material einen Reinheitsgrad von mindestens 20 Prozent hat. Die IAEA ist vor allem darüber beunruhigt, dass der Iran im April wohl auch Material hergestellt hat, das deutlich darüber liegen. Der Staat verfüge nun über 2,4 Kilogramm Uran, das bis auf 60 Prozent angereichert ist, schätzen die Kontrolleure in ihrem Bericht.

"Für Atomwaffenstaaten üblich"

Für Nuklearwaffen sind zwar rund 90 Prozent nötig, doch kann solches Material theoretisch sehr rasch aus 60-prozentigem Uran hergestellt werden. IAEA-Chef Rafael Grossi hatte vergangenen Woche der Zeitung "Financial Times" gesagt, dass 60 Prozent fast waffentauglich seien.

Er hatte sich über die Entwicklungen in der Islamischen Republik sehr besorgt gezeigt und darauf hingewiesen, dass nur Atomwaffenstaaten Uran bis zu einem so hohen Grad anreichern. Laut dem Abkommen von 2015 darf der Iran nur Material mit weniger als vier Prozent Reinheit herstellen, um damit Atomreaktoren zu betreiben.

Keine Angaben über Nuklearmaterial

In dem Bericht klagte Grossi außerdem über eine lange Liste an Einschränkungen für die IAEA-Inspektoren. Sie dürfen demnach nicht mehr täglich wichtige Atomanlagen besuchen, und sie können nicht mehr den Bau von Anreicherungs-Zentrifugen und die Herstellung von Uranerz überwachen.

Es fehlten Informationen der iranischen Regierung zu verdächtigen Anlagen, die möglicherweise für nukleare Aktivitäten genutzt worden seien. Der Iran gebe keine Auskunft über den Verbleib von nuklearem Material, das an geheimen Orten gelagert oder verwendet worden war. Er sei "besorgt, dass die technischen Diskussionen zwischen der IAEA und dem Iran nicht die erwarteten Ergebnisse gebracht haben", hieß es in dem Bericht weiter. 

Medizinische Zwecke?

Die Führung in Teheran hatte Mitte April angekündigt, mit neuen Zentrifugen Uran auf 60 Prozent anzureichern. Der Iran argumentierte, er benötige das Material für medizinischen Zwecke.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien warnten deshalb in einer gemeinsamen Erklärung vor der Produktion einer Nuklearwaffe durch den Iran. Nach Angaben der AEOI hatte das Land schon von Januar bis April 57 Kilogramm 20-prozentiges Uran angereichert.

Biden drängt auf Verhandlungen

Die 2015 geschlossene Wiener Nuklearvereinbarung sollte verhindern, dass der Iran die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe erlangt. 2018 traten die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen aus und verhängten neue Sanktionen gegen Teheran. Der Iran zog sich danach schrittweise aus seinen Verpflichtungen zurück.

Die neue US-Regierung von Joe Biden hat sich grundsätzlich zu neuen Verhandlungen mit dem Iran bereit erklärt, dringt allerdings darauf, dass das Land zunächst zu seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen zurückkehren müsse. Derzeit laufen in Wien Verhandlungen über eine Wiederbelebung des Atomdeals.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Mai 2021 um 22:00 Uhr.