Anhänger des irakischen schiitischen Geistlichen Moqtada al-Sadr protestieren im Parlament in Bagdad (Irak). | REUTERS

Sadr-Anhänger Parlament im Irak erneut besetzt

Stand: 30.07.2022 16:20 Uhr

Anhänger des Schiiten-Führers al Sadr haben ein weiteres Mal das irakische Parlament gestürmt, um zu verhindern, dass eine Regierung gebildet wird. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden viele Menschen verletzt.

In der irakischen Hauptstadt Bagdad sind Demonstranten erneut in das Parlamentsgebäude eingedrungen und haben eine Sitzung der Abgeordneten unmöglich gemacht. Anschließend begannen sie mit einem Sitzstreik. Wie Augenzeugen berichteten, versuchten Sicherheitskräfte zuvor die zahlreichen Anhänger des einflussreichen schiitischen Geistlichen Moktada al Sadr zuvor an der hoch gesicherten Grünen Zone mit Tränengas und Schallbomben zurückzudrängen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gab es dabei etwa 60 Verletzte.

In der rund zehn Quadratkilometer großen Grünen Zone im Zentrum Bagdads befinden sich zahlreiche Regierungseinrichtungen und das irakische Parlament sowie mehrere Botschaften, darunter auch die diplomatische Vertretung der USA.

Protest gegen Premierminister-Kandidaten

Bereits am Mittwoch waren Unterstützer von Sadr in die gesicherte Zone gelangt und hatten das Parlament gestürmt. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Menschen im Plenarsaal die irakische Flagge schwenkten, bevor sie sich kurze Zeit später wieder zurückzogen. Sie demonstrierten unter anderem gegen die Nominierung des ehemaligen Ministers Mohammed Schia al Sudani für das Amt des Premierministers. Dieser war von Ex-Regierungschef Nuri al Maliki und dessen Allianz vorgeschlagen worden, die mit dem Nachbarland Iran sympathisiert.

Beide schiitischen Lager betrachten sich als Gegner. Im Irak tobt seit der Parlamentswahl im Oktober 2021 ein Machtkampf. Sadrs Liste hatte damals die meisten Sitze gewonnen und bemühte sich um eine Regierungsbildung. Zuletzt trat er jedoch mit seiner Partei geschlossen aus dem Parlament zurück. Die Regierungsbildung steckt seither in einer Sackgasse.

Politische und Wirtschaftskrise

Den Rückzug aus der Politik deuteten einige Beobachter als Schachzug, um Parteien und Politiker mithilfe von Massenprotesten unter Druck zu setzen. Viele Iraker haben nur noch wenig Vertrauen in die Politik - das ölreiche Land kämpft seit Jahren mit wirtschaftlichen und politischen Krisen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2022 um 13:00 Uhr.