al-Kasimi | dpa

Attacke auf Iraks Regierungschef "Feige Drohnenangriffe helfen nicht"

Stand: 07.11.2021 11:50 Uhr

Iraks Ministerpräsident al-Kadhimi ist Ziel eines Drohnenangriffs geworden. Er selbst blieb bei der Attacke unverletzt und nannte diese "feige". Wer hinter dem Anschlag steckt, ist noch unklar.

Von Udo Schmidt, ARD-Studio Kairo

Videos aus der irakischen Hauptstadt Bagdad, aus der Grünen Zone, dem sicheren Bereich der Stadt, zeigen leere Straßen, Panzerwagen des Militärs an jeder Straßenecke, schwarz gekleidete Soldaten am Straßenrand. Bagdad ist im Alarmzustand seit dem Angriff in der vergangenen Nacht.

Udo Schmidt

Eine mit Sprengstoff beladene Drohne habe die Residenz von Premier Mustafa al-Kadhimi angegriffen, teilte die irakische Regierung mit. Zwei weitere Drohnen konnten demnach abgefangen werden. Der Premier sei unverletzt geblieben. Arabische TV-Sender zeigen ein Video, auf dem die Beschädigungen am Amtssitz al-Kadhimis zu sehen sind. Mehrere Leibwächter des Premiers sollen bei dem Angriff verletzt worden sein.

Drahtzieher bislang unklar

Al-Kadhimi erklärte im saudischen TV-Sender Al-Haddath, es gehe ihm gut:

Ich und alle, die mit mir sind, sind sicher und in guter Verfassung. Unsere Sicherheitskräfte und das Militär arbeiten daran, den Irak zu stabilisieren und zu schützen. Feige Drohnenangríffe helfen nicht, unsere Heimat aufzubauen und unsere Zukunft zu sichern. Ich lade alle ein, am Zukunftsdialog teilzunehmen. Lang lebe der Irak.

Wer hinter dem Drohnenangriff steckt, ist bisher unklar. Niemand hat sich zu dem Angriff bekannt. Seit der Parlamentswahl im Irak vor vier Wochen kommt es jedoch in Bagdad immer wieder zu Protesten und schweren Zusammenstößen. Erst am Freitag waren dabei mehr als 100 Menschen verletzt worden. Die bei der Wahl unterlegenen pro-iranischen Politiker und ihre Anhänger hatten zwei Drittel der Parlamentssitze verloren, wollen die Niederlage jedoch nicht anerkennen.  Der Wahlsieger, der Schiit Moktada Al Sadr bezeichnete die Tat auf Twitter als Angriff auf das gesamte Land.

"Ansehen des Premiers nimmt nach Angriff zu"

Najim Al Kassab, irakischer Politikexperte mit Sitz in Bagdad, sagte dazu: "Es sind gegenseitige Beschuldigungen, es gibt Misstrauen auf allen Seiten. Aber es sieht so aus, als wenn das Ansehen des Premierministers nach diesem Angriff zunimmt."

Anhand der Flugbahn der Drohnen, so der Analyst, müsste sich feststellen lassen, woher und von wem sie gekommen seien: "Die Drohnen sind mit großer Sicherheit nicht weit außerhalb Bagdads gestartet worden, schon gar nicht in einem anderen Land. Vielleicht kamen sie aus den ländlichen Vororten Bagdads. Die Ermittlungen werden uns weiterbringen, was die Flugbahn angeht, aber auch, wo diese Drohnen produziert wurden und welchen Sprengstoff sie geladen hatten."

Ägyptens Präsident Abdel Fatah Al-Sisi rief dazu auf, die Stabilität des Irak zu bewahren. Die USA verurteilten den Angriff als Akt des Terrorismus.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 07. November 2021 um 11:14 Uhr.