Fans des Arema FC, die nach einem Fußballspiel zwischen dem Arema FC und Persebaya im Stadion Kanjuruhan auf dem Spielfeld auf Mitglieder der indonesischen Armee zulaufen. | AFP

Nach Massenpanik in Fußballstadion Lebenslange Sperre für Funktionäre

Stand: 04.10.2022 13:57 Uhr

Nach der Massenpanik in einem indonesischen Fußballstadion sind zwei weitere Funktionäre entlassen worden. Die Zahl der Toten stieg auf 133. Laut Polizei gab es im Stadion zu wenige und zu kleine Fluchtwege.

Nach der Massenpanik in einem Fußballstadion in Indonesien gibt es weitere personelle Konsequenzen. Zwei Funktionäre des Fußballclubs Arema FC wurden mit einer lebenslangen Sperre belegt. Der leitende Spielorganisator und der Spielsicherheitskoordinator sind nun lebenslang von allen fußballerischen Aktivitäten ausgeschlossen, wie der indonesische Fußballverband mitteilte. Zudem darf Arema FC für den Rest der Saison keine Spiele mehr ausrichten und muss eine Geldstrafe von 250 Millionen Rupien (rund 16.600 Euro) zahlen.

Bereits am Montag war der Polizeichef der Stadt Malang von seinem Amt entbunden worden, neun weitere Beamte wurden suspendiert. Gegen mindestens 28 Polizisten wird zudem wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Berufsethik ermittelt.

Die Zahl der Toten nach der Massenpanik stieg unterdessen auf 133. Unter ihnen seien mindestens 37 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 17 Jahren, teilte das indonesische Ministerium für Frauenförderung und Kinderschutz mit.

Polizei löst mit Tränengas Panik aus

Zu der Katastrophe kam es, nachdem am Wochenende nach dem Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC in Malang auf der Inel Java Tausende Fans auf das Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions gestürmt waren. Zeugen sagten, es sei die erste Heimniederlage von Arema FC gegen den Rivalen seit 23 Jahren gewesen. Davon enttäuscht begannen Tausende der insgesamt 42.000 anwesenden Anhänger der Heimmannschaft, Flaschen und andere Gegenstände auf Spieler und Funktionäre zu werfen.

Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein und löste damit eine Panik unter den Menschen aus, die zu den Ausgängen rannten. Die meisten Opfer starben an Sauerstoffmangel oder wurden zu Tode getrampelt. Hunderte Zuschauer wurden verletzt. Es ist eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte des Fußballs.

Experten sollen Hintergründe klären

Die indonesische Regierung setzte ein unabhängiges Expertenteam zur Klärung der Hintergründe ein. Es soll untersuchen, warum die Polizei überhaupt Tränengas einsetzte - dies ist nach den Regeln des Weltverbands FIFA in Stadien verboten. Wie die Polizei mitteilte, gab es im Stadion auch nicht genug Fluchtwege. Die Tore der Arena seien zu klein gewesen, es hätten nur zwei Menschen gleichzeitig hindurch gepasst. So sei es zu dem tödlichen Gedränge gekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2022 um 13:00 Uhr.