Ein Mann steigt über Trümmer von Häusern. | dpa

Erdbeben in Indonesien Zahl der Todesopfer steigt auf 310

Stand: 25.11.2022 16:10 Uhr

Nach dem Erdbeben in Indonesien hat sich die Zahl der Toten erhöht - auf mindestens 310. Viele der Opfer sind Kinder. Auch für ein sieben Jahre altes Mädchen kam die Hilfe zu spät: Helfer bargen ihre Leiche aus den Trümmern.

Die Zahl der Todesopfer beim Erdbeben in Indonesien zu Beginn der Woche ist auf mindestens 310 gestiegen. Rettungskräfte bargen weitere Leichen aus den Erdmassen, wie die Behörden mitteilten. Mindestens 24 Menschen wurden noch vermisst.

Die Toten wurden in zwei Gebieten im Westen der Insel Java gefunden. Dort hatten Erdrutsche, ausgelöst von dem Beben am Montag, Menschen unter Tonnen von Schlamm, Felsen und umgerissenen Bäumen begraben, wie der Leiter der nationalen Rettungsbehörde, Henri Alfiandi, sagte.

Erschwert werde die Arbeit durch die schiere Größe der Erdrutsche und die ständige Furcht vor neuen Nachbeben, sagte er dem TV-Sender Kompas. 

Helfer bergen Leiche von Siebenjähriger

Viele der Opfer des Unglücks sind Kinder. Die Rettung eines sechsjährigen Jungen am Mittwochabend, der mehr als zwei Tage in den Trümmern ohne Nahrung und Wasser überlebte, hatte zwischenzeitlich Hoffnung aufkeimen lassen, dass weitere Vermisste noch gerettet werden können.

Nun bargen die Rettungskräfte in der Stadt Cianjur nahe des Epizentrums die Leiche eines siebenjährigen Mädchens, das sie seit mehreren Tagen gesucht hatten.

Am Vortag hatte ihre Mutter noch gehofft, dass ihre Tochter lebend gerettet würde. "Sie hat draußen gespielt, ich war gerade dabei, in der Küche das Essen vorzubereiten, als das Erdbeben kam. Sehr schnell, innerhalb von zwei Sekunden, ist mein Haus eingestürzt", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. 

Mehr als 1400 Rettungskräfte waren an den Einsätzen beteiligt. Der Leiter der Nationalen Katastrophenschutzbehörde, Suharyanto, sagte, die Rettungsarbeiten würden fortgesetzt, bis der Wiederaufbau beginne. Er erklärte:

Wir machen bis zum letzten Menschen weiter.

Die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern macht laut Suharyanto Fortschritte und erreicht jetzt mehr Menschen in 110 Evakuierungszentren. In den zerstörten Gemeinden im Westen Javas versammelten sich die Einwohner in der Nähe der schwer beschädigten Moscheen zum Freitagsgebet. Andere beteten zusammen mit den Rettungskräften zwischen den Zelten der Evakuierungszentren.

Zehntausende Menschen obdachlos, Schulen zerstört

Bei dem Beben der Stärke 5,6 wurden mehr als 2000 Menschen verletzt. Mindestens 56.000 Häuser wurden nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde beschädigt, mindestens 36.000 Menschen sind obdachlos. Hunderte öffentliche Einrichtungen wurden zerstört, darunter 363 Schulen.

Ein Erdbeben dieser Stärke würde normalerweise keine so schweren Schäden verursachen. Doch das Beben vom Montag hatte sein Zentrum in geringer Tiefe und traf ein dicht besiedeltes Gebiet, in dem die Infrastruktur nicht erdbebensicher gebaut wurde.

Wegen Indonesiens Lage auf dem Pazifischen Feuerring ereignen sich in dem südostasiatischen Land häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2022 um 15:00 Uhr.