Ein indischer Bauer hält ein Büschel Weizen in der Hand. | AP

Weltweite Ernährungskrise Indien verbietet Export von Weizen

Stand: 14.05.2022 13:55 Uhr

Eigentlich wollte Indien die Lücke schließen, die der Ukraine-Krieg in die weltweite Versorgung mit Weizen gerissen hat. Nun aber hat das Land die Ausfuhr von Weizen mit sofortiger Wirkung gestoppt.

Indien hat mit sofortiger Wirkung die Ausfuhr von Weizen verboten. Grund sei die unsichere Ernährungslage im Land. In einer von der Regierung veröffentlichten Bekanntmachung hieß es, der sprunghafte Anstieg der Weltmarktpreise für Weizen bedrohe die Ernährungssicherheit Indiens und benachbarter Länder. Mit dem Export sollten Preissteigerungen im eigenen Land eingedämmt werden.

Indien ist der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt, verbraucht aber den größten Teil der eigenen Ernte. Käufer weltweit setzten bei der Weizenversorgung auf Indien, nachdem die Ausfuhren aus der Schwarzmeerregion seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Ende Februar stark zurückgegangen waren.

Extreme Hitzewelle bedroht Ernte

Das Land hatte sich eigentlich zum Ziel gesetzt, 2022 und 2023 zehn Millionen Tonnen des Getreides zu exportieren, um von den kriegsbedingten weltweiten Versorgungsengpässen bei Weizen zu profitieren und neue Märkte in Europa, Afrika und Asien zu erschließen. Das meiste davon sollte an Entwicklungsländer wie Indonesien, die Philippinen und Thailand geliefert werden.

Eine extreme Hitzewelle bedroht nun aber die Ernteerträge in Indien. Nach Angaben des indischen Wetterdienstes hatten Nordwest- und Zentralindien den heißesten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 122 Jahren erlebt. Normalerweise gilt der Mai als der heißeste Monat des Jahres. 

Bestehende Lieferverträge werden eingehalten

Am Weltmarkt dürfte der Exportstopp die Preise nun weiter in die Höhe treiben, da dort wegen des Ukraine-Krieges und der dadurch ausbleibenden Lieferungen aus der Schwarzmeerregion Millionen Tonnen an Weizen fehlen. Vor allem ärmere Länder in Asien und Afrika würde das hart treffen. Indien erklärte zwar, bereits bestehende Lieferverträge würden erfüllt und auch Länder, die ansonsten um "Nahrungsmittelsicherheit" fürchten müssten, würden beliefert. Die Ausfuhr weiterer Mengen werde aber gestoppt.

Durch den Krieg in der Ukraine können den Vereinten Nationen zufolge derzeit knapp 25 Millionen Tonnen bereits geerntetes Getreide nicht aus dem Land gebracht werden. Zudem wird sich die kommende Ernte nicht auf dem bisherigen Niveau halten lassen. Das treibt weltweit die Preise. In Deutschland etwa verteuerten sich die Weizen-Einfuhren im März binnen Jahresfrist um rund 65 Prozent.

Bundesagrarminister Cem Özdemir hatte Russland am Freitag vorgeworfen, Hunger gezielt als Kriegswaffe einzusetzen. Das gelte innerhalb der Ukraine, aber auch weltweit, da allein die Ukraine die Hälfte des Getreides für das Welternährungsprogramm liefere. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock warnte, bis zu 50 Millionen Menschen in Afrika und dem Nahen Osten seien durch die Krise zusätzlich von Hunger bedroht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2022 um 06:00 Uhr.