Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens (R) impft in Ahmedabad einen Mann mit einem Impfstoff gegen das Covid-19-Coronavirus | AFP

Steigende Infektionszahlen Indien schränkt Impfstoff-Exporte ein

Stand: 19.03.2021 13:32 Uhr

Indien hilft anderen Ländern mit Covid-19-Impfstoff aus. Doch jetzt steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich. Uneingeschränkte Lieferungen sind damit erst einmal vorbei.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Covishield heißt der AstraZeneca-Impfstoff, der im indischen Serum Institute in Pune hergestellt wird. Hunderttausende Impfdosen hat Indien seinen Nachbarländern zur Verfügung gestellt, als Geschenk im Rahmen des Hilfsprogramms "Neighbourhood First". Andere Länder, etwa Brasilien, haben mehrere Millionen Impfdosen in Indien gekauft.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Doch angesichts rasant steigender Infektionszahlen in einigen indischen Bundesstaaten müsse Indien jetzt zuerst an sich selbst denken, teilte Außenminister Subramanyam Jaishankar mit. "Indien war von Anfang an der Auffassung, dass die Pandemie eine Bedrohung für die gesamte Menschheit ist und dass man ihr gemeinsam begegnen muss", sagte er in einer Rede im Parlament in Neu-Delhi. "Als Apotheke der Welt ist Indien entschlossen, bezahlbare Impfstoffe für alle herzustellen und verfügbar zu machen. Die Lieferung von Impfstoffen an andere Länder wird jedoch davon abhängig gemacht, ob die Versorgung der eigenen Bevölkerung gesichert ist."

Kritik an Impf-Nationalismus

Das Serum Institute in Pune im indischen Bundesstaat Maharashtra - der weltweit größte Hersteller von Impfstoffen aller Art - wurde offenbar angewiesen, den Verkauf von Covishield an andere Länder solange zu stoppen, bis das indische Impfprogramm abgeschlossen ist.

Der Chef des Instituts, Adar Poonawalla, sprach in einem Interview mit der Wirtschaftsagentur Bloomberg von Impf-Nationalismus: "Wir wurden angewiesen, zuerst Indien zu beliefern. Das wird auch das internationale Impfprogramm für arme Länder, COVAX, betreffen. Die werden ein paar Monate warten müssen, und das liegt in erster Linie an diesem Impf-Nationalismus."

Und man könne, so sagt er weiter, noch ein anderes Phänomen beobachten: Rohstoff-Nationalismus. "Die USA halten Rohstoffe und spezielle Verpackungsmaterialien für Impfstoffe für den eigenen Bedarf zurück. Das wird die weltweite Herstellung von Impfstoffen ausbremsen, auch in Indien."

Infektionszahlen steigen wieder

In Indien hat sich das öffentliche Leben wieder weitgehend normalisiert. Auf den Märkten in Neu-Delhi und anderen Städten herrscht dichtes Treiben wie eh und je - und die Infektionszahlen gehen wieder steil nach oben. Das Gesundheitsministerium meldete fast 29.000 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Besonders stark betroffen ist der südindische Bundesstaat Maharashtra.

Rajesh Bushan, der Staatssekretär im indischen Gesundheitsministerium, sagte: "In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl der Neuinfektionen landesweit um 43 Prozent angestiegen. Auch die Sterberate von Covid-19-Patienten geht nach oben: um 37 Prozent innerhalb der letzten zwei Wochen."

Indien hat große Ziele

Bis zum Sommer sollen in Indien 300 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft werden. Um das Ziel zu erreichen, hält das Gesundheitsministerium auch am AstraZeneca-Impfstoff fest, der in zahlreichen europäischen Ländern vorübergehend gestoppt wurde. Vinod Paul von der staatlichen Planungsgruppe Niti Ayog sagte bei einer Pressekonferenz, die Impfung mit Covishield werde in vollem Umfang fortgesetzt. "Wir werden die uns zur Verfügung stehenden Daten genau prüfen. Im Moment haben wir aber keine Einwände gegen Covishield."

Die Pandemie müsse jetzt gestoppt werden, damit es keinen neuen landesweiten Ausbruch gebe, warnte Premierminister Narendra Modi bei einem virtuellen Treffen mit Regierungschefs der Bundesstaaten. Es bestehe vor allem die Gefahr, dass sich das Coronavirus auf dem Land stärker verbreitet, wo die Gesundheitsversorgung besonders schlecht ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2021 um 06:23 Uhr und 16. März 2021 um 05:48 Uhr.