Impfung Indien | dpa

Corona in Indien Regierung hält Pandemie für eingedämmt

Stand: 29.01.2021 08:17 Uhr

Keine neuen Corona-Fälle in einem Fünftel des Landes? So lauten zumindest die offiziellen indischen Zahlen. Die Regierung meldet Erfolge im Kampf gegen die Pandemie und macht Werbung für ihre Impfdiplomatie.

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu Delhi

Fast 100.000 an einem Tag: So hoch lagen die Corona-Neuinfektionen in Indien Mitte September. Nun würden sich im gleichen Zeitraum nur noch rund 12.000 Menschen infizieren, sagen die indischen Behörden.

"Ich bin sicher, dass wir die Anzahl der Fälle in Indien unterschätzen", sagt Dr. Satyajit Rath, Professor am Indischen Institut für Wissenschaft und Forschung in Pune, im Telefon-Interview. "Aber das haben wir vermutlich schon von Anfang an getan. Dass der Trend allerdings abwärtsgeht, daran gibt es keinen Grund zum Zweifeln."

Kaum noch Einschränkungen

Dabei hatte es seit dem Peak im September im Vergleich zum Lockdown im Frühjahr nur noch wenige Einschränkungen gegeben: Restaurants, Sportzentren und Läden sind seit Monaten geöffnet, es gibt keinerlei Ausgangssperren, selbst Hochzeiten dürfen wieder gefeiert werden. Und: Millionen Gläubige kommen zur Kumbh Mela, der größten Pilgerreise der Hindus.

Es gibt zwar eine allgemeine Maskenpflicht, an die halten sich allerdings immer weniger Menschen. Nach wie vor aber fahren in den Großstädten weniger Busse und Bahnen. Der internationale Flugverkehr ist eingeschränkt. Und bis heute sind für viele Kinder und Jugendliche die Schulen geschlossen, seit fast einem Jahr. Erst seit kurzem dürfen bestimmte Jahrgänge die Schulgebäude wieder betreten.

Warum die Infektionen in Indien so stark im Fall sind, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Aber mögliche Erklärungen gäbe es schon, sagt Professor Anant Bhan, der forscht zu globaler Gesundheit forscht: "Eine große Anzahl der Menschen in Indien war der Infektion womöglich schon längst ausgesetzt" sagt Bhan im Skype-Interview mit dem ARD-Studio Südasien. "Das zeigen auch die Ergebnisse von Antikörper-Tests, die hier durchgeführt wurden. Und Indien ist demographisch gesehen ein junges Land. Außerdem sind wir hier ohnehin schon vielen Bakterien und Viren ausgesetzt, es könnte also sein, dass es hier so genannte Kreuz-Immunitäten gibt."

Das indische Gesundheitsministerium sagt, dass die Strategie des "Proaktiven Testens" eine große Rolle gespielt habe, um die Pandemie weiter einzudämmen. Mehr als eine Million Corona-Tests würden am Tag in Indien durchgeführt. Aktuelle Studien verweisen außerdem darauf, dass Impfungen gegen Tuberkulose den Verlauf einer Covid-Erkrankung abschwächen könnten. In Indien gehört diese Impfung bei Säuglingen seit Jahrzehnten zum Standard und viele dieser Impfungen stammen aus eigener Produktion.

Indien verschenkt Impfdosen

Indien gilt als die Apotheke der Welt, laut Angaben der Regierung würden hier die Hälfte aller Impfstoffe weltweit hergestellt. Hunderttausende Corona-Impfstoff-Dosen "made in India" hat die Regierung nun schon kostenlos an seine Nachbarländer verteilt und weitere Dosen günstig an andere Länder weltweit verkauft.

Impfstoffproduktion in Indien | dpa

Mitarbeiter des Impfstoffherstellers "Serum Institute of India" verpacken Kisten mit Ampullen ihres Corona-Impfstoffs. Das Unternehmen ist der weltweit größte Hersteller von Impfstoffen. Bild: dpa

Und nun gebe es noch eine weitere hoffnungsvolle Nachricht, sagte der indische Premierminister Narendra Modi beim Weltwirtschaftsforum: "Schon bald werden viele Impfstoffe gegen Corona aus Indien kommen. Diese werden allen Ländern auf der Welt helfen können, viel schneller als im Augenblick."

Dabei gibt es in Indien um den bislang einzigen einheimischen Impfstoff eine ziemliche Kontroverse: Er wurde zugelassen, obwohl die Testphasen noch nicht abgeschlossen sind und offiziell noch keine Daten vorliegen, ob er auch wirksam ist.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Januar 2021 um 17:48 Uhr.