Kinder werden in Indonesien geimpft | AFP

Impfung von Kindern in Südostasien "Die Jugendlichen müssen geschützt werden"

Stand: 09.07.2021 11:28 Uhr

In mehreren südostasiatischen Ländern werden inzwischen Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft. Auch Australien denkt darüber nach - vor allem wegen der Ausbreitung der Delta-Variante.

Von Jennifer Lange, ARD-Studio Südostasien, zzt. in Hamburg

Rund einhundert Schülerinnen und Schüler sitzen auf Plastikstühlen aufgereiht und warten auf ihre erste Impfung. Neben ihnen ihr Mathelehrer Seto Marsudi. "Die Jugendlichen müssen geschützt werden", sagt er. In Jakarta sei die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Corona bekommen, hoch. "Wenn wir sie impfen, helfen wir der Regierung früher eine Herdenimmunität zu erreichen."

Jennifer Lange

Waren im vergangenen Juli rund fünf Prozent der Infizierten Kinder und Jugendliche, sind es inzwischen schon mehr als zwölf Prozent, so offizielle Zahlen. Damit hat sich ihr Anteil innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Laut der Organisation Care hat Indonesien damit eine der höchsten Kinderinfektionsraten der Welt.

Seit gut einer Woche dürfen sich daher auch Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren impfen lassen. Zugelassen sind die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und des chinesischen Herstellers Sinovac. Das Gesundheitsministerium empfiehlt einen Abstand von mindestens 28 Tagen zwischen den Impfungen.

Zahl der Neuinfektionen wird wohl weiter steigen

Der 16-jährige Student Muhammad hat gerade seine erste Impfung bekommen. "Es wäre toll, wenn wir wieder zu einem normalen Leben zurückkehren könnten", sagt er. Einige Länger hätten sich ja bereits erholt. "Ich hoffe, Indonesien schafft das auch."

Experten rechnen jedoch damit, dass die Zahl der Neuinfektionen in Indonesien weiter stark steigen wird. Das Land meldet gerade täglich neue Rekordzahlen. Der Lockdown wurde daher inzwischen auf das ganze Land ausgeweitet. Die Organisation Save the Children in Indonesien schätzt, dass bereits mehr als 600 Kinder an Covid-19 gestorben sind - rund ein Prozent aller Toten.

"Die Krankenhäuser sind überfordert. Die Betten sind zu 90 Prozent ausgelastet. In einigen Krankenhäusern schon zu 100 Prozent. Es ist wirklich sehr besorgniserregend im Moment", sagt Dino Satria von Save the Children. Er fordert daher die internationale Staatengemeinschaft auf, mehr Impfstoff über die Initiative Covax zur Verfügung zu stellen. Bisher sind erst gut fünf Prozent der indonesischen Bevölkerung geimpft.

"Keine banale Erkrankung für Kinder"

Hilfe hat unter anderem Australien versprochen. Wobei das Land selbst über wenig Impfstoff verfügt. Gleichzeitig sagt die Regionalregierungschefin von New South Wales, Gladys Berejiklian: "Wir wissen, der Impfstoff ist der Schlüssel zu unserer Freiheit, der Schlüssel, um Leben zu retten und die Wirtschaft offen zu halten."

Derzeit dürfen sich in Australien nur Jugendliche ab 16 Jahren impfen lassen. Eine Zulassung des Pfizer-Impfstoffs für Jüngere wird gerade von einer Behörde des Gesundheitsministeriums geprüft. "Wir unterstützen die Pläne, den Impfstoff für Kinder und Jugendliche zuzulassen, weil wir sehen, dass Covid keine banale Erkrankung für Kinder ist", sagt Andrew Miller, Sprecher der Australian Medical Association.

Besonders besorgt Miller die Ausbreitung der Delta-Variante. Zudem beobachtet er wie sein Kollege Greg Kelly, das Kinder wie Erwachsene unter Long-Covid leiden, also Langzeitfolgen. Dies sei "eine ernste und potenziell fatale Krankheit für Kinder genauso wie für Erwachsene", sagt Kelly gegenüber dem Fernsehsender ABC. Und solange sich Kinder und Jugendliche nicht impfen lassen dürften, seien sie besonders gefährdet, so der Kinderarzt.

Mehrere australische Bundesstaaten im Lockdown

Laut australischen Virologen ist die Impfung von Kindern und Jugendlichen in Australien auch wichtig, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Viele erwachsene Australier wollten sich nicht impfen lassen, erklärt Premierminister Scott Morrison: "Sie sagen: 'In Australien gibt es nicht viel Covid, meine Chancen sind größer, von einem Auto überfahren zu werden, als mich in diesem Land mit Covid anzustecken.'"

Da Australien seine Grenzen zu Beginn der Pandemie geschlossen hat, gab es nur wenige Fälle und noch weniger Tote. Die Delta-Variante ist gerade dennoch im Umlauf, weshalb mehrere Bundesstaaten wieder im Lockdown sind. Als Konsequenz hat die Regierung eine Impfpflicht für Altenpfleger und Angestellte in Quarantäne-Hotels erlassen. Sie müssen sich bis spätestens Mitte September impfen lassen.

Indonesien versucht anders, Impfanreize zu setzen. In einer Region haben ältere Menschen nach ihrer Impfung ein lebendes Huhn geschenkt bekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2021 um 05:15 Uhr.