Mitarbeiter des Gesundheitswesens entladen in Hyderabad einen Lastwagen, der einen Impfstoff gegen das Coronavirus geladen hat. | dpa

Corona-Impfstoff Indien produziert auf Hochtouren

Stand: 23.01.2021 12:23 Uhr

Vor Kurzem brannte es beim weltweit größten Impfstoffhersteller in Indien. Die Produktion von Corona-Vakzinen sei aber nicht betroffen, so das Unternehmen. Sie läuft auf Hochtouren - nicht nur für den indischen Markt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien, zzt. Hamburg

Am Serum-Institut in Pune im indischen Bundesstaat Maharashtra läuft die Produktion auf Hochtouren. Beim größten Hersteller von Impfstoffen weltweit wird auch der sogenannte Oxford-Impfstoff der Firma AstraZeneca produziert. Mehr als 50 Millionen Impfdosen seien bereits vom Band gelaufen, hieß es schon vor einigen Wochen.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Das 1966 gegründete Unternehmen beliefert nach eigenen Angaben mehr als 170 Länder weltweit mit Impfstoffen gegen Kinderlähmung, Meningintis, Masern und andere Krankheiten.

Brand bei Imfpstoffhersteller

Als vor wenigen Tagen ein Feuer am Produktionsstandort Pune ausbrach, wuchs die Sorge, dass der Nachschub für den in Indien bereits zugelassenen Corona-Impfstoff gebremst werden könnte. Firmenchef Adar Poonawalla gab jetzt Entwarnung: Die Produktion des Corona-Impfstoffes sei durch den Brand nicht beeinträchtigt. "Bei anderen Impfstoffen, etwa gegen Tuberkulose, macht sich das schon bemerkbar. Wir werden versuchen, das an anderen Produktionsstandorten auszugleichen", so der Unternehmer.

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca, den das Serum-Institut in Indien unter dem Namen "Covishield" vermarktet, ist vor allem für den indischen Bedarf vorgesehen. Doch auch andere Länder haben bereits Verträge abgeschlossen und erste Lieferungen erhalten.

Brasilien nutzt Covishield

So wurden am Freitag zwei Millionen Impfdosen Covishield nach Brasilien ausgeliefert, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur Reuters zu sehen war.

Der indische Botschafter in Brasilien, Suresh Reddy, erklärte am Flughafen in Rio, der indische Premierminister Modi habe zugesagt, dass Indien die ganze Welt mit Corona-Impfstoffen versorgen werde. Indien arbeite daran, die weltweite Pandemie erfolgreich zu bekämpfen.

Kostenloser Impfstoff für ärmere Nachbarländer

Seinen ärmeren Nachbarstaaten hat Indien kostenlos Corona-Impfstoff zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Programms "Neighbourhood First" erhielten in dieser Woche bereits Bhutan, die Malediven, Nepal, Bangladesch und Myanmar mehrere Hunderttausend Dosen Impfstoff. Die Seychellen im Indischen Ozean, sowie Sri Lanka und Afghanistan stehen ebenfalls auf der Liste. Der benachbarte Erzfeind Pakistan aber offenbar nicht.

Anurag Srivastava, Sprecher des indischen Außenministeriums, sagte bei einer Pressekonferenz in Delhi, Pakistan betreffend seien keine kommerziellen Lieferanfragen für Corona-Impfstoff bekannt. "Die Frage, ob Pakistan im Rahmen unseres Programms 'Neighbourhood First' Impfstoff erhält, ist wohl nur hypothetisch. Darauf möchte ich hier nicht antworten."

Covax-Programm der WHO

Auch die internationale Plattform zum Kampf gegen die Corona-Pandemie, Covax, der auch Deutschland beigetreten ist, will in Kürze den AstraZeneca-Impfstoff für ärmere Länder zugänglich machen. Der größte Teil der bereits reservierten Impfdosen soll Medienberichten zufolge vom Serum-Institut in Pune geliefert werden.

Adhanom Ghebreyesus, der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, teilte bei einer Pressekonferenz in Genf mit, die WHO erwarte noch im ersten Quartal dieses Jahres fast 150 Millionen Dosen des AstraZeneca-Impfstoffes - unter Vorbehalt der Zulassung. "Zusammen mit den vereinbarten 40 Milllionen Impfdosen von Pfizer und BioNTech sind wir auf gutem Weg, bis Ende des Jahres zwei Milliarden Impfdosen für das Impfprogramm Covax zur Verfügung stellen zu können."

Der WHO-Chef hatte den reichen Ländern der Welt Hamsterkäufe des Corona-Impfstoffs zulasten der ärmeren Länder vorgeworfen. 95 Prozent aller verfügbaren Impfstoff-Dosen würden in nur zehn Ländern verabreicht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Januar 2021 um 12:05 Uhr.