Pendler mit Gesichtsmasken laufen eine Straße in Peking entlang | dpa

Corona-Pandemie Peking nimmt Impfpflicht zurück

Stand: 11.07.2022 09:04 Uhr

In Peking gilt nun doch keine Impfpflicht für öffentliche Orte wie Fitnessstudios und Museen. Die Behörden haben einen ungewöhnlichen Rückzieher gemacht, kurz nachdem die neue Regel angekündigt worden war.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking, zzt. Qingdao

Nun also doch keine Impfpflicht für den Besuch von Museen, Büchereien, Fitnessstudios, Kinos und Konzerten in Peking. Die Behörden haben der ARD bestätigt, dass die Bewohner der chinesischen Hauptstadt weiterhin nur mit einem negativen PCR-Test und einem grünen Code in der Corona-App öffentliche Gebäude und Veranstaltungen besuchen können.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Möglicherweise reagierten die Behörden darauf, dass viele Menschen im Internet ihren Unmut über die Pläne geäußert hatten - ein ungewöhnlicher Rückzieher in der autoritär regierten Volksrepublik, wo keine Meinungsfreiheit herrscht.

Millionen ältere Menschen ungeimpft

Die ursprüngliche Ankündigung, dass nur noch geimpfte Bürgerinnen und Bürger bestimmte Orte in Peking betreten dürfen, war ein Novum in der Volksrepublik. Das Land hatte bislang weitgehend auf freiwillige Impfungen gesetzt. In China sind nur heimische Covid-19-Impfstoffe wie Sinopharm und Sinovac zugelassen. Diese schützen zwar vor schweren Verläufen und Tod - aber nicht so gut wie mRNA-Impfstoffe wie die von BioNTech oder Moderna.

Ein großes Problem in China: Millionen alte Menschen sind weiterhin nicht geimpft, die vulnerabelste Gruppe. Bei den jüngsten Ausbrüchen im Land starben fast ausschließlich alte, ungeimpfte Menschen.

Immer wieder harte Lockdowns

China versucht seit mehr als zwei Jahren, mit geschlossenen Grenzen, Reiseverboten, Massentests, Zwangsisolationen und harten Lockdowns bei kleinsten Ausbrüchen die Fallzahlen niedrig zu halten. Angesichts neuer hochansteckender Omikron-Varianten des Coronavirus ist das aber deutlich schwieriger als zu Beginn der Pandemie.

Die mehr als 25 Millionen Menschen in der Wirtschaftsmetropole Shanghai durften im April und Mai ihre Wohnungen nicht verlassen. Nach dem Ende der Ausgangsbeschränkungen Anfang Juni sind die Zahlen in der Stadt zuletzt wieder gestiegen, immer mehr Wohnsiedlungen befinden sich inzwischen wieder im Lockdown. Es gibt weitere Massentests. Die Menschen in Shanghai befürchten, dass bald noch mehr Einwohner von den harten Einschränkungen betroffen sein könnten.