Patienten liegen auf Krankenbetten im provisorischen Wartebereich eines Krankenhauses.  | dpa

Hongkongs Kampf gegen Omikron Im "vollständigen Kampfmodus"

Stand: 20.02.2022 10:47 Uhr

Mehr als 6000 Neuinfektionen pro Tag - Hongkong ächzt unter einer heftigen Corona-Welle. Nun wurde mit dem Bau zweier gigantischer Quarantäne-Einrichtungen begonnen - mit der Hilfe Chinas, denn das Land sieht seine "Null Covid"-Strategie bedroht.

Seit Wochen steigen in Hongkong die Corona-Infektionszahlen, die Krankenhäuser stehen am Rande ihrer Belastbarkeit. Die von der chinesischen Zentralregierung in Peking verordnete "Null-Covid"-Strategie verfängt nicht mehr. Um die Infektionswelle wieder in den Griff zu bekommen, setzt die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone nun auf die Hilfe Pekings.

Nachdem Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam gestern Abend bekannt gegeben hatte, dass der staatliche Baukonzern China State Construction International zwei temporärere Quarantäne-Einrichtungen mit insgesamt 9500 Betten bauen werde, starteten heute die Arbeiten.

Isolationszentren mit 20.000 Betten

Zusätzlich sollen drei Hotels mit insgesamt 20.000 Betten in vorübergehende Isolationszentren umgewandelt werden. Bislang mussten Patienten vor Krankenhäusern mitunter tagelang in der Winterkälte ausharren. Der Chef der Krankenhausbehörde, Tony Ko, entschuldigte sich in einem Radiobeitrag dafür, dass Patienten gezwungen waren, im Freien zu warten.

Der Chefsekretär der Hongkonger Regierung, John Lee, schrieb auf seinem Blog, die Behörden in der Finanzmetropole befänden sich angesichts der Infektionswelle im "vollständigen Kampfmodus". Mit der "starken Unterstützung unseres Mutterlandes werden wir den Kampf definitiv gewinnen". 

Harte Lockdowns wurden bislang ausgeschlossen

Lam teilte mit, dass Chinas Staatschef Xi Jinping angewiesen habe, die "Kontrolle der Epidemie zu unserer obersten Priorität zu machen". Beobachter bewerteten die Äußerung Xis als Zurechtweisung der Hongkonger Behörden. Harte Corona-Lockdowns, wie sie in Festland-China schon bei kleinen Infektionsherden üblich sind, hat Lam bislang ausgeschlossen. Für März kündigte die Hongkonger Regierungschefin jetzt aber verpflichtende Corona-Tests für alle 7,5 Millionen Einwohner Hongkongs. Zudem wurden Beschränkungen für Reisen und das Geschäftsleben verhängt.

Heute registrierten die Behörden insgesamt 6067 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden sowie 14 Todesfälle. Am Montag hatte Lam erklärt, die Krankenhäuser in der Sonderverwaltungszone seien überlastet. Neben der Errichtung neuer Isolationseinheiten werde ihre Regierung Hotelzimmer, Sportanlagen und neu errichtete Wohnanlagen für die Unterbringung von Patienten nutzen, so Lam.

China fürchtet illegale Grenzgänger

Derweil fürchtet China ein Einschleppen des Coronavirus durch illegale Grenzgänger aus Hongkong. Benachbarte Millionenstädte haben hohe Belohnungen für Hinweise ausgelobt, mit denen Menschenschmuggel vor allem mit Booten über die Seegrenze der südchinesischen Sonderverwaltungsregion in die Volksrepublik verhindert werden kann. Die Polizei der Südprovinz Guangdong nahm 18 Schmuggler fest, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Die Ausbreitung des Virus über die schwer zu überwachende Küstenlinie eine unerwartete Bedrohung der strikten Null-Covid-Strategie Chinas dar. Nach Medienberichten sind bereits einige infizierte Hongkonger illegal über die Grenze gekommen und ins Landesinnere weitergereist. Metropolen wie Zhuhai, Huizhou und Taishan bieten Prämien für Hinweise auf Menschenschmuggler in Höhe von bis zu einer halben Million Yuan an, umgerechnet 70.000 Euro.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2022 um 13:15 Uhr.