Sicherheitskräfte überwältigen einen Mann, der mutmaßlich das Attentat auf Abe verübt hat  | via REUTERS
Hintergrund

Japans früherer Ministerpräsident tot Was zum Attentat auf Abe bekannt ist

Stand: 08.07.2022 16:48 Uhr

Japans früherer Premier Abe wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen und starb später an seinen Verletzungen. Ein festgenommener Verdächtiger gestand, die Schüsse abgegeben zu haben - was sonst über die Tat bekannt ist.

Der Tatort

Abe war am Vormittag auf einer Wahlkampfveranstaltung in der westjapanischen Stadt Nara aufgetreten. Dort hielt der frühere japanische Ministerpräsident gerade eine Rede auf einer Bühne vor dem Yamato-Saidaiji-Bahnhof. Inhaltlich warb er vor den Wahlen zum Oberhaus des Parlaments am Sonntag für seinen Parteikollegen Kei Sato. Abe war 2020 aus dem Amt des Ministerpräsidenten ausgeschieden, hatte sich aber weiter politisch für seine Liberaldemokratische Partei (LDP) engagiert.

Der Tatablauf

Gegen 11.30 Uhr Ortszeit näherte sich Abe von hinten - von der Straße aus - ein mit einem grauen Oberteil und einer braunen Hose bekleideter Mann. Das zeigen Aufnahmen japanischer Fernsehsender. Er feuerte mindestens zwei Mal auf den Ex-Regierungschef. 

Danach stieg Rauch auf - die verängstigten Anwesenden duckten sich zu Boden. Abe brach blutend zusammen. Umstehende begannen laut Augenzeugen mit einer Herzdruckmassage. Der Angreifer wurde zu Boden gerungen und von der Polizei festgenommen. Abe wurde in einem Helikopter in die Universitätsklinik der Stadt Kashihara gebracht.

Laut dem staatlichen Sender NHK konnte Abe in den Minuten nach der Tat noch sprechen, bevor er das Bewusstsein verlor. Um 12.20 Uhr wurde Abe nach Angaben des Medizinprofessors Hidetada Fukushima mit einem Herzstillstand in die Notaufnahme der Universitätsklinik eingeliefert. "Es wurden Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet. Leider ist er jedoch um 17.03 Uhr gestorben", sagte Fukushima. Abe sei von zwei Kugeln am Hals getroffen worden. Abe sei verblutet, hieß es später.

Der Täter

Bei dem Angreifer handelt es sich nach Angaben der örtlichen Polizei um den 41-jährigen Tetsuya Yamagami, der in der Stadt Nara lebt. Er hat die Tat laut Polizeiangaben mittlerweile gestanden.

Wie mehrere Medien unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichteten, war Yamagami drei Jahre lang bis zum Jahr 2005 Mitglied der japanischen Marine.

Das Motiv

Zum Motiv hieß es: "Der Verdächtige gab an, dass er einen Groll gegen eine bestimmte Organisation hege und die Tat begangen habe, weil er glaubte, dass der ehemalige Premier Abe eine Verbindung zu ihr habe," sagte ein hochrangiger Polizeibeamter. Nähere Angaben dazu machte er zunächst nicht.

Laut dem staatlichen Sender NHK hatte der Mann der Polizei unmittelbar nach seiner Festnahme gesagt, dass er "frustriert" über den ehemaligen Premier war und auf ihn geschossen habe, "um ihn zu töten". Mit der Politik Abes habe seine Tat nichts zu tun gehabt.

Die Tatwaffe

Für die Tat soll der Angreifer eine etwa 40 Zentimeter lange, selbstgebaute Waffe benutzt haben. Die Polizei durchsuchte laut NHK nach der Tat Yamagamis Wohnung und fand dabei potenziell explosive Stoffe und weitere Waffen. Ein Polizeisprecher sagte, die Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, aber die verwendete Waffe sei "eindeutig" nicht aus professioneller Herstellung, fügte er hinzu.

Die Sicherheitslage in Japan

Die Waffengesetze in Japan zählen zu den strengsten der Welt. Die Todesfälle durch Schusswaffengewalt liegen in dem Land mit 125 Millionen Einwohnern jedes Jahr im einstelligen Bereich. In Japan ist es daher nicht selten, dass Politikerinnen und Politiker dem Publikum bei öffentlichen Auftritten sehr nahe kommen.

Medienberichten zufolge waren zu Abes Sicherheit ein Spezialbeamter aus Tokio und einige lokale Polizeibeamte zuständig. Wie viele Beamte im Einsatz waren, ist nicht klar. Die Straßen um den Veranstaltungsort waren außerdem nicht gesperrt gewesen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Juli 2022 um 16:00 Uhr.