Rauch steigt nach einem israelischen Luftschlag über Gaza-Stadt auf. | EPA

Gewalt in Nahost Israel weitet Gegenangriff auf Gaza aus

Stand: 13.05.2021 07:45 Uhr

Militante Palästinenser schießen immer neue Raketensalven auf israelische Städte. In der Grenzstadt Sderot wird dabei ein Fünfjähriger getötet. Israel greift nun gezielt Hamas-Symbole im Gazastreifen an.

Nach massiven Raketenangriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen hat Israels Sicherheitskabinett eine Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die dort herrschende Hamas beschlossen. Die Armee solle gezielt "Symbole der Hamas-Herrschaft" in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12 am Abend.

Medienberichten zufolge wurden das Finanzministerium im Herzen der Stadt Gaza sowie eine Bank der Hamas zerstört. Das Militär teilte mit, Kampfflugzeuge hätten eine Reihe strategisch wichtiger Gebäude sowie ein Marinekommando der Hamas angegriffen. Die Angriffe auf Terrorziele würden fortgesetzt.

Erneut Raketenalarm in Tel Aviv

Kurz darauf wurde in Tel Aviv am frühen Donnerstagmorgen erneut Raketenalarm ausgelöst. Nach örtlichen Angaben war mindestens eine Explosion zu hören. Medienberichten zufolge gab es auch im Norden des Landes Raketenalarm. Schon zuvor hatten militante Palästinenser am Mittwochabend Dutzende Raketen auf israelische Städte geschossen, darunter Aschdod und Aschkelon an der Mittelmeerküste. Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit 20 Uhr am Mittwochabend rund 130 Starts registriert. Etwa 24 seien noch im Gazastreifen niedergegangen, Dutzende seien vom Abwehrsystem Eisenkuppel ("Iron Dome") abgefangen worden.

Nach Angaben der Polizei wurden fünf Menschen in Petach Tikwa leicht verletzt. Wie ein Sprecher mitteilte, gab es einen direkten Treffer in der Stadt. Ein Gebäude und dessen Umgebung seien schwer beschädigt worden. Fünf Menschen seien leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Experten zur Kampfmittelbeseitigung seien vor Ort. Petach Tikwa liegt im Osten der Küstenmetropole Tel Aviv. In der Grenzstadt Sderot wurde ein Fünfjähriger beim Einschlag einer Rakete tödlich verletzt, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen, es sind bereits weit über 1600 Geschosse abgefeuert worden. Dabei sind bislang sieben Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Israels Armee reagiert darauf nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg von 2014.

Mindestens 65 Todesopfer in Gaza

Das Gesundheitsministerium in Gaza bezifferte die Zahl der Toten auf 65, mehrere hundert Menschen wurden verletzt. Israelische Kampfflugzeuge zerstörten am Mittwoch ein weiteres Hochhaus in Gaza. In dem 14-stöckigen Gebäude hatten nach israelischen Angaben sowohl die islamistische Hamas als auch der militante Islamische Dschihad Büros. Allerdings gab es auch Cafés und Geschäfte in dem Haus. Videos zeigten, wie es nach dem Angriff einstürzte.

Die Hamas feuerte nach eigenen Angaben als Reaktion 130 Raketen auf die israelischen Orte Aschkelon, Sderot und Netivot. Israels Luftwaffe hatte zuvor auch das Haus eines ranghohen Mitglieds der islamistischen Hamas zerstört. Das Gebäude diente demnach als Waffenlager. Außerdem tötete Israel bei Angriffen mehrere hochrangige Vertreter der Hamas.

Netanyahu lehnt Waffenruhe derzeit ab

"Das ist erst der Anfang. Wir werden ihnen Schläge versetzen, die sie sich niemals erträumt haben", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu dazu am Mittwoch in einem Krankenhaus in Cholon. Netanyahu lehnt den Berichten zufolge eine Waffenruhe zu diesem Zeitpunkt ab. Auf Twitter schrieb er: "Wir werden keine Anarchie akzeptieren". Auch Verteidigungsminister Benny Gantz stimmte die Bürger auf einen längeren Militäreinsatz ein.

Die USA schicken derweil einen Spitzendiplomaten in die Region, um sich mit führenden Vertretern beider Seiten zu treffen. Hady Amr will auch im Namen von US-Präsident Joe Biden auf eine Deeskalation der Gewalt drängen. Auch Unterhändler Ägyptens, Katars und der Vereinten Nationen bemühen sich nach Medienberichten um eine Beruhigung.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern schwappt derweil immer mehr auch auf arabische Ortschaften im israelischen Kernland über. Zwischen jüdischen und arabischen Israelis kam es am Mittwoch in den Städten Lod, Akko, Bat Jam, Haifa und Tiberias zu außergewöhnlich schweren Konfrontationen. Präsident Reuven Rivlin warnte im israelischen Fernsehen vor einem "Bürgerkrieg" und rief beide Seiten eindringlich zur Mäßigung auf.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. Mai 2021 um 22:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Der Lenz 13.05.2021 • 13:17 Uhr

>Gaza wurde 2005 also vor gut

>Gaza wurde 2005 also vor gut 16 Jahren an die Palästina Autonomie Behörde übergeben, die Besatzung wurde von Israel damit beendet.< Es hat zwar einen Rückzug gegeben, aber davor nie eine Offizielle Besatzung. Besatzungsmacht zu sein hat Israel steht dementiert da mit diesem Status Völkerrechtliche Verpflichtungen einher gehen denen sich Israel verweigerte. >Im Gegenzug sollte es Frieden geben. Nachdem sich die Islamistische Hamas an die Macht geputscht hat und die Fatha vertrieben und verfolgt hat wurde Gaza zum Sammelbecken für Islamistischen Raketenterror gegen Israelische Zivilisten.< >Leider gibt es Länder die die islamisten militärisch unterstützen und bewaffnen.< Eine Bewaffnung der Palestinenserbehörde in dem Maß das sie den Hamas-Putsch verhindern hätte können scheiterte an Israel, auf den Versuch einer über den Vertragsrahmen hinausgehende Bewaffnung regierte es Militärisch. Damit hat nur Israel die Möglichkeit etwas an der Herrschaft der Hammas in Gaza zu ändern.