Die Präsidenten Wladimir Putin (Russland), Ebrahim Raisi (Iran) und Recep Tayyip Erdogan (Türkei) bei ihrem Treffen in Teheran  | via REUTERS

Putin und Erdogan zu Gast in Teheran Dreiergipfel mit Differenzen

Stand: 19.07.2022 21:59 Uhr

Russlands Präsident Putin hat mit seinen iranischen und türkischen Amtskollegen beraten. Die Länder müssten sich einer "Zerstückelung" Syriens entgegenstellen. Doch die Staatschefs waren sich nicht in allem einig.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat im Iran mit seinem dortigen Amtskollegen Ebrahim Raisi und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan verhandelt. Die russisch-iranischen Beziehungen entwickelten sich gut, sagte Putin anschließend. Russland und der Iran verstärkten ihre Zusammenarbeit bei der internationalen Sicherheit und trügen zu einer Lösung in Syrien bei.

Auch Ankara will dem Bekennen nach die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Teheran ausbauen. Erdogan sagte, er hoffe besonders auf einen Ausbau der Kooperation in der Verteidigungsindustrie.

Der Bürgerkrieg in Syrien war ein Thema auf der Agenda des Treffens. In Syrien unterstützen Russland und der Iran Präsident Baschar al-Assad, während die Türkei Teilen der bewaffneten Opposition zur Seite steht. Erdogan hatte mit einer Militäroffensive in Nordsyrien gedroht, um von den USA unterstützte kurdisch-syrische Kämpfer von der türkischen Grenze zu vertreiben.

Der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, warnte Erdogan vor einem solchen Schritt. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow kündigte an, der Kreml lehne einen türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien ab. Es werde um eine politische Einigung gehen.

Raisi für diplomatische Lösung

Raisi forderte eine diplomatische Lösung für den Konflikt. Wichtig sei es in erster Linie, die territoriale Integrität zu gewährleisten und dem syrischen Volk zu erlauben, selbst über sein politisches Schicksal zu entscheiden. Ein gemeinsam erklärtes Ziel sei zudem, gegen Terrorismus vorzugehen.

Putin warf dem Westen Einmischung vor. Dieser habe "Kurs auf eine Zerstückelung des Landes genommen", sagte Putin. Dem müssten sich Russland, die Türkei und der Iran, denen Putin eine Schlüsselrolle bei der Zukunftsgestaltung Syriens einräumte, gemeinsam entgegenstellen.

Syrische Oppositionspolitiker warfen den drei Staaten vor, sich nur für ihre eigenen Interessen in dem Bürgerkriegsland zu interessieren. Ihr Hauptziel sei es, "die syrischen Rechte zu schwächen und mehr den Interessen des syrischen Regimes zu dienen", sagte der Oppositionelle Jijha al-Aridi. Die noch im Juli geplante neue Runde der Syrien-Verfassungsgespräche in Genf war erst jüngst abgesagt worden.

Ukrainische Getreideexporte Thema

Mit seiner Reise dürfte der international isolierte Putin seinen Landsleuten zudem vermitteln wollen, welchen Einfluss Russland immer noch auf der internationalen Bühne hat. Bei seinem Gespräch mit Erdogan dankte Putin der Türkei für ihre Vermittlung bei einem Abkommen zum Export von ukrainischem Getreide, der durch den russischen Angriffskrieg blockiert ist. Noch seien nicht alle Probleme gelöst, aber es gebe Fortschritte, sagte Putin.

Erdogan sagte, Russland sei sehr, sehr positiv an die Getreideverhandlungen vergangene Woche in Istanbul herangegangen. Er hoffe auf einen Abschluss, der weltweit einen guten Einfluss haben werde.

Putin traf in Teheran auch mit Khamenei zusammen. Der 83-Jährige hat laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen des Iran. Khamenei rief zur dauerhaften engen Zusammenarbeit mit Russland auf. Dies käme "beiden Ländern sehr zugute". Er hob hervor, dass beide Länder vom Westen mit Sanktionen belegt seien.

Khamenei kritisiert NATO-Osterweiterung

Dem Westen machte er erneut Vorwürfe wegen der NATO-Osterweiterung. Hätte Russland nicht die Initiative im Angriffskrieg gegen die Ukraine ergriffen, wäre es zu einem anderen Konflikt gekommen, sagte er, wie der Staatssender Irib berichtete.

Er spielte damit auf eine Argumentation Russlands an, derzufolge sich Moskau von der Aufnahme osteuropäischer Staaten in das Verteidigungsbündnis und vor allem von einem potenziellen NATO-Beitritt der Ukraine beengt sah.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2022 um 17:00 Uhr.