Menschen demonstrieren in Tiflis gegen die georgische Regierung. | dpa

Nach Tod eines Journalisten Proteste gegen georgische Regierung

Stand: 11.07.2021 21:36 Uhr

Am vergangenen Montag waren in Tiflis mehr als 50 Journalisten von einem schwulenfeindlichen Mob attackiert worden. Ein Kameramann, der dabei schwer verletzt wurde, starb später. Nun haben Tausende den Rücktritt der Regierung gefordert.

Nach dem Tod eines Kameramannes, der bei Protesten von schwulenfeindlichen Demonstranten schwer verletzt worden war, haben in Georgien Tausende Menschen den Rücktritt der Regierung gefordert. Am Abend versammelten sich rund 8000 Demonstranten vor dem Parlamentsgebäude in Tiflis.

"Wir fordern den sofortigen Rücktritt von Irakli Garibaschwili und seiner Regierung, die die Gewalt gegen Journalisten angeführt haben", sagte Oppositionsführer Nika Melia bei der Kundgebung.

Kameramann tot in seinem Bett gefunden

Der 37-jährige Kameramann Alexander Laschkarawa, der für den unabhängigen Sender TV Pirweli arbeitete, war am Morgen tot in seinem Bett gefunden worden. Er war am vergangenen Montag von Gegendemonstranten verprügelt worden, die gegen einen Marsch der sogenannten LGBTQ-Bewegung protestierten. Laschkarawa erlitt Brüche der Gesichtsknochen. Das Innenministerium kündigte eine Untersuchung zum Tod des 37-Jährigen an. Vier Verdächtige wurden wegen des Angriffs festgenommen.

Mehr als 50 Journalisten waren am Montag von den Gegendemonstranten physisch attackiert worden. Sie trugen nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) unter anderem Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen und Verätzungen mit Chemikalien davon. RSF warf den georgischen Behörden vor, nicht gegen die Angriffe eingeschritten und deshalb an den Verletzungen mitschuldig zu sein. 

"Die Regierung ist Teil dieser Gewalt"

Vertreter unabhängiger georgischer Medien beschuldigten die Regierung von Ministerpräsident Garibaschwili, zur Gewalt gegen Journalisten anzustiften und solche Gewaltakte sogar selbst zu organisieren. "Die Regierung ermutigt nicht nur zur Gewalt gegen Journalisten, sie ist Teil dieser Gewalt", sagte Nodar Meladse, Redaktionsleiter bei TV Pirweli. Die Regierung habe gewalttätige Gruppen zusammengestellt, die unabhängige Medien physisch angriffen. Auch hätten Polizeikräfte wiederholt Journalisten attackiert.

Am vergangenen Montag hatten die Organisatoren einer sogenannten "Pride"-Parade in der Hauptstadt Tiflis den Umzug nach den gewaltsamen Angriffen auf Journalisten und auf Aktivisten der LGBTQ-Bewegung abgesagt. Mehrere hundert Gegner der Parade hatten sich nahe des Parlaments der Kaukasusrepublik versammelt. Bei den "Pride"-Umzügen wird rund um den Globus für die Rechte sexueller Minderheiten demonstriert. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2021 um 21:00 Uhr in den Nachrichten.