Die Flagge von Kirgistan. | IMAGO/Russian Look

Kirgistan und Tadschikistan Schwere Kämpfe an der Grenze

Stand: 16.09.2022 13:46 Uhr

Seit mehr als 30 Jahren streiten die beiden Länder über den Grenzverlauf - nun sind die Kämpfe zwischen Kirgistan und Tadschikistan wieder aufgeflammt. Laut Experten hat das auch mit dem Ukraine-Krieg zu tun.

Im Streit um den Grenzverlauf zwischen den beiden früheren Sowjetrepubliken Kirgistan und Tadschikistan in Zentralasien sind heftige Gefechte aufgeflammt. "Entlang der gesamten kirgisisch-tadschikischen Grenze finden schwere Kämpfe statt", teilte der kirgisische Grenzschutz mit. Das bestätigte auch die tadschikische Seite.

Beide Staaten warfen sich gegenseitig den Beschuss und den Einsatz schwerer Waffen vor. Kurze Zeit darauf verkündete Kirgistan dann aber eine Feuerpause.

Kirgistan berichtete von mehr als 30 Verletzten in den eigenen Reihen. Der kirgisische Grenzschutz erklärte, tadschikische Sicherheitskräfte hätten das Feuer eröffnet. Die tadschikische Seite setze dabei auch Panzer ein. Außerdem warf der kirgisische Grenzschutz Tadschikistan den Beschuss des Flughafens in der Stadt Batken und angrenzender Gebiete im Südwesten Kirgistans vor.

Behörden melden tote und verletzte Zivilisten

Tadschikistan beschuldigte kirgisische Kräfte im Gegenzug, einen tadschikischen Grenzposten und sieben Dörfer mit schweren Waffen angegriffen zu haben. Dabei wurden laut den Behörden in dem Ort Isfara ein Zivilist getötet und drei weitere verletzt.

Bereits Mitte der Woche lieferten sich Grenzschützer Schusswechsel. Zwei tadschikische Beamte wurden getötet sowie sechs Soldaten und fünf Zivilisten verletzt. Kirgistan berichtete seinerseits von zwei verletzten Soldaten und zwei verletzten Zivilisten.

Der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow und der tadschikische Präsident Emomali Rachmon nehmen beide aktuell an dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Usbekistan teil.

Beobachter rechnen mit zunehmenden Spannungen

An der Grenze zwischen den beiden jeweils mit Russland verbündeten Ex-Sowjetrepubliken ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten gekommen. Die aktuelle Gewalt steht angesichts des Ukraine-Kriegs und des ebenfalls wieder aufgeflammten Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan aber unter einem anderen Vorzeichen.

Vor einigen Tagen griff im Südkaukasus das autoritär geführte Aserbaidschan sein Nachbarland Armenien an. In mehreren Regionen des postsowjetischen Raums eskalierten zuletzt seit Jahren schwelende Konflikte. Beobachter befürchten, dass solche Spannungen zunehmen, weil Russland, das eigentlich in der gesamten Region militärisch sehr präsent ist, derzeit mit dem Krieg gegen die Ukraine beschäftigt ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. September 2022 um 15:00 Uhr.