Israels Raketenabwehrsystem fängt eine Rakete ab, die vom Gazastreifen in Richtung Israel abgeschossen wurde. | EPA

Nahost-Konflikt Auf der Suche nach einem Plan für Gaza

Stand: 14.09.2021 10:54 Uhr

In Nahost droht die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern erneut zu eskalieren. Dabei haben beide Seiten kein Interesse an einer Situation wie im Mai 2021. Doch zu viele Probleme sind ungelöst.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Der Klang des Krieges ist zurück. So wie hier im Süden des Gazastreifens. Militante Palästinenser feuerten in den vergangenen Tagen Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagierte mit Angriffen auf wohl unbemannte Stellungen der Hamas.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Was wie ein Krieg klingt, ist noch keiner. Doch die Raketenalarme in den israelischen Orten am Gazastreifen und die israelischen Luftangriffe wecken Erinnerung an die letzte kriegerische Auseinandersetzung im Mai. Nur eine Rakete militanter Palästinenser, die nicht vom Abwehrsystem abgefangen wird und Menschen tötet, könnte schnell zu einer Eskalation führen.

Der palästinensische Politikwissenschaftler Mukhaimer Abu Saida hat schon mehrere Kriege zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen erlebt. "Israel hat keine Strategie in Bezug auf Gaza. Es hat den Konflikt für viele Jahre nur gemanagt." Nun versuche Israel über Vermittler mit der Hamas zu verhandeln. "Sie können die Macht der Hamas in Gaza nicht einfach ignorieren", sagt Saida.  

Israel will humanitäre Hilfe zulassen

Auch wenn er es anders formuliert sieht Israels Außenminister Yair Lapid die Dinge ähnlich. Vor kurzem sprach er über seine Pläne für den Küstenstreifen: "Der Staat Israel muss sich selbst eine Frage stellen: Was wollen wir tun im Hinblick auf Gaza?"

Eine einfache Frage auf die es aber aus israelischer Perspektive keine einfachen Antworten gibt. Seit 15 Jahren kontrolliert die Hamas den Gazastreifen. Von Israel, den USA und der EU wird sie als Terrororganisation eingestuft. Doch die Hamas ist auch eine politische und soziale Bewegung und seit der letzten kriegerischen Auseinandersetzung im Mai in Gaza gefestigt.

Israel, das den Gazastreifen weitgehend abriegelt, will humanitäre Hilfe für Gaza zulassen ohne, dass die Hamas davon profitiert. Das ist beinahe unmöglich. Lapid versucht es in seinem Plan dennoch. "In einer ersten Stufe wird es einen schrittweisen humanitären Wiederaufbau des Gazastreifens geben. Im Gegenzug muss sich die Hamas zu langfristiger Ruhe verpflichten", so der Außenminister.

Katar versorgt die Hamas mit Geld

Doch die Hamas verlangt erst eine vollständige Aufhebung der Abriegelung des Küstenstreifens, an der sich auch Ägypten teilweise beteiligt. Aktuell geht es im Konflikt vor allem um Geld. Noch vor Monaten tolerierte Israel, dass der Golfstaat Katar die Hamas mit Koffern voller Bargeld versorgte. Damit wurden Beamte der Hamas bezahlt.

Israel wirft der Bewegung aber vor, das Geld auch für die Aufrüstung zu nutzen. Israels Premier Naftali Bennet sagte deshalb erst vor wenigen Tagen, dass es die Koffer voller Geld so nicht mehr geben werde.

"Die Hamas spielt mit dem Feuer"

"Die Hamas versucht die ganze Zeit, zu den Regelungen zurückzukehren, die für sie praktisch sind und dafür spielt sie mit dem Feuer - immer kurz vor einem Krieg", sagt Nir Dvori, Analyst im israelischen Fernsehkanal 12. Das sehe man an den Ballons mit Brandsätzen und an den Raketen, die immer wieder nach Israel abgefeuert würden. "Israel möchte den Zeitpunkt aber selbst wählen, um in eine neue Militäroperation zu ziehen. Deshalb übt Bennet jetzt den Druck aus, die Gelder zu überweisen.“

Ohne plumpe Geldkoffer ist es aber gar nicht so einfach, Millionen von US-Dollars in den Küstenstreifen zu bekommen. Und so wird im Hintergrund hektisch verhandelt. Gestern traf sich Premier Bennett mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Es ist wie so oft zwischen Israel und der Hamas in Gaza: Ob sich die Lage wieder beruhigt oder weiter eskaliert, ist sehr schwer zu sagen.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2021 um 05:44 Uhr.