Blick in die durch einen Bombenanschlag zerstörte Moschee der schiitischen Muslime in Kundus (Afghanistan) | EPA

Afghanistan Viele Tote bei Explosion in Moschee

Stand: 08.10.2021 21:38 Uhr

In der Provinz Kundus im Norden Afghanistans sind bei einer Explosion in einer Moschee mindestens 46 Menschen getötet worden. Offenbar handelte es sich um einen Selbstmordanschlag: Der IS reklamierte die Tat für sich.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Anschlag auf eine Moschee in der Stadt Kundus im Norden Afghanistans für sich reklamiert. Das erklärten die Extremisten über den Kommunikationsdienst Telegram. In einer Nachricht des IS-Sprachrohrs Amak hieß es, ein Selbstmordattentäter habe in der schiitischen Moschee eine Sprengstoffweste gezündet. Das Attentat habe der schiitischen Minderheit der Hadara gegolten. Der IS hatte bereits in der Vergangenheit schiitische Ziele in Afghanistan angegriffen. Mit den in Afghanistan herrschenden Taliban ist der IS verfeindet.

Bei der Explosion kamen mindestens 46 Menschen ums Leben. 143 wurden verletzt, wie ein Taliban-Sprecher erklärte. Es handelt sich um den schwersten Anschlag in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August.

Taliban mit Spezialkräften vor Ort

Ein Augenzeuge berichtete, er habe zum Zeitpunkt der Detonation gebetet und viele Tote gesehen. Videobilder zeigten Leichen und Trümmer in der Moschee. Die Taliban erklärten, es sei eine "große Zahl" Gläubiger Opfer der Explosion geworden seien. Spezialkräfte der Taliban seien am Ort des Geschehens eingetroffen und untersuchten den Zwischenfall.

In den vergangenen Tagen hatte es wieder verstärkt Selbstmordattentate in Afghanistan gegeben. Am Sonntag wurden bei der Trauerfeier für die Mutter eines hochrangigen Taliban-Funktionärs in der Nähe von Kabul mehrere Menschen getötet. Die Taliban machten die verfeindete Terrormiliz IS verantwortlich und attackierte mutmaßliche IS-Kämpfer. Ebenso verübte der IS in der Vergangenheit häufiger Anschläge auf Einrichtungen der schiitischen Minderheit.

Mitte August rissen die Taliban die Macht in Afghanistan militärisch wieder an sich. Armee und Polizei zerfielen, Vertreter der Regierung flohen. Die Islamisten riefen eine Regierung aus. Diese sieht sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter, für Sicherheit im Land zu sorgen. Sie sehen sich von einer wachsenden Bedrohung durch den lokalen Ableger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) herausgefordert.

Mit Informationen von Sabina Matthay, ARD-Studio Neu Delhi

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Oktober 2021 um 14:00 Uhr.