Bundeswehrsoldaten an einem in Taschkent gelandeten Evakuierungsflieger | dpa

Rettungseinsatz in Kabul Deutsche Mission kurz vor Abschluss

Stand: 26.08.2021 15:30 Uhr

Der Bundeswehr in Afghanistan bleiben nur noch wenige Stunden, um Menschen auszufliegen. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sagte, man habe alle betroffenen Personen gebeten, nicht mehr zum Flughafen zu kommen.

Angesichts von Warnungen vor Terroranschlägen und des Abzugs der US-Truppen bleiben der Bundeswehr nur noch wenige Stunden für ihre Evakuierungsflüge aus Kabul.

Die für Rettungsaktionen nach Kabul verlegten Bundeswehr-Hubschrauber wurden bereits in der vergangenen Nacht wieder zurück nach Taschkent geflogen, wie Generalinspekteur Eberhard Zorn sagte. Einer der wohl letzten Evakuierungsflieger der deutschen Truppen hob am Morgen mit 154 geretteten Menschen an Bord in Kabul ab.

"Sensibelste Phase"

Nach den Worten von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gehen die Evakuierungsflüge der Bundeswehr unter schwierigsten Bedingungen zur Stunde weiter, gleichzeitig aber auch ihrem Ende entgegen: "Wir befinden uns jetzt in der sicherlich hektischsten, in der gefährlichsten, in der sensibelsten Phase", sagte die Ministerin in Berlin. Terrordrohungen hätten sich verschärft und seien deutlich konkreter geworden.

Das Auswärtige Amt habe in der Nacht zum Donnerstag alle noch für Flüge in Frage kommenden Personen informiert, dass sie nicht mehr zum Flughafen in Kabul kommen sollen. Grund ist den Angaben zufolge unter anderem das Chaos am Flughafen, aber auch die Sicherheitslage. Die Möglichkeiten, Menschen noch in die Flieger zu bringen, seien damit weiter eingeschränkt, sagte Kramp-Karrenbauer.

Das Zeitfenster der Phase der akuten Evakuierung werde sich schließen, sagte die Ministerin weiter - ohne einen konkreten Zeitpunkt für das Ende zu nennen. Noch werde fieberhaft an der Evakuierung gearbeitet. Gleichzeitig müsse aber auch die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten bedacht werden.

Bundeswehr flog etwa 5200 Menschen aus

Die Bundeswehr hat nach eigenen Angaben mit den Evakuierungsflügen rund 5200 Menschen aus dem Land geholt, darunter 4200 Afghanen und rund 500 deutsche Staatsbürger.

Das Weiße Haus in Washington teilte mit, in den Endzügen der militärischen Evakuierungsmission in Afghanistan seien binnen 24 Stunden erneut mehr als 13.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden. Zwischen dem frühen Mittwochmorgen und dem frühen Donnerstagmorgen habe das US-Militär rund 5100 Menschen außer Landes gebracht, Flugzeuge von Verbündeten wiederum hätten im gleichen Zeitraum rund 8300 Menschen evakuiert. Seit dem Start des Evakuierungseinsatzes Mitte August hätten die Vereinigten Staaten und ihre Partner insgesamt mehr als 95.000 Menschen ausgeflogen.

Mehrere Länder stellten Flüge schon ein

Unterdessen bereiten weitere Länder das baldige Ende ihrer Evakuierungsflüge vor. Die Niederlande planen das noch für Donnerstag, Frankreich für Freitag. Belgien, Dänemark, Polen und Kanada stellten die Evakuierungen bereits ein.

Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen sagte im Fernsehsender TV2, auf dem letzten dänischen Evakuierungsflug seien etwa 90 Menschen gewesen, außerdem die letzten verbliebenen dänischen Soldaten und diplomatisches Personal.

Die Türkei hatte am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Soldaten begonnen, die an der Sicherung des Flughafens beteiligt waren. Auch die Luftbrücke der Türkei ist bereits eingestellt.

Die USA, Australien und Großbritannien haben ihre Staatsbürger dringend aufgefordert, das Gebiet um den Flughafen sofort zu verlassen.

Die USA wollen ihre Truppen bis zum kommenden Dienstag aus Kabul abziehen. Und ohne die Unterstützung der USA sehen sich die anderen westlichen Staaten nicht in der Lage, ihre Evakuierungsflüge fortzusetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. August 2021 um 16:00 Uhr.