Einzelbäume in der Tundra beim See Nutenvut in Keperveem (Russland). | dpa

Wegen Erderwärmung Sibirische Tundra könnte großteils verschwinden

Stand: 25.05.2022 12:24 Uhr

Die sibirische Tundra könnte Klimaforschern zufolge bis Mitte des Jahrtausends fast komplett verschwinden. Der Grund: die Erderwärmung. Eine Rettung der Tundra sei nur durch "ambitionierten Klimaschutz" möglich.

Die Baumgrenze sibirischer Lärchenwälder verdrängt nach und nach die weiten Tundraflächen, sodass diese bis Mitte des Jahrtausends fast komplett verschwunden sein könnten. Davor warnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI). Laut einer Studie des Instituts mit der Uni Potsdam ist der Grund für die Entwicklung die Erderwärmung.

Forschende fordern mehr Klimaschutz

Demnach kann nur "mit ambitioniertem Klimaschutz" ein Drittel der Tundra gerettet werden. Das könne gelingen, wenn durch einen drastischen Rückgang der Treibhausgasemission eine globale Erwärmung um mehr als zwei Grad Celsius im Jahr 2100 nicht überschritten werde.

Die Klimakrise schlägt in der Arktis bereits jetzt besonders hart zu: Die durchschnittliche Lufttemperatur im hohen Norden ist dem AWI zufolge in den vergangenen 50 Jahren um mehr als zwei Grad Celsius angestiegen und damit viel stärker als in anderen Regionen der Welt. Dieser Trend werde sich ohne Klimaschutz fortsetzen, hieß es. Die AWI-Geoökologin Ulrike Herzschuh erklärte:

Die weiten arktischen Tundraflächen in Sibirien und Nordamerika werden massiv zurückgehen, weil sich die Baumgrenze aktuell langsam und in naher Zukunft sehr schnell nach Norden verschiebt.

"Es geht ums nackte Überleben"

Für die Studie nutzten die Forschenden eine Computersimulation. Das Ergebnis: Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Kilometern pro Jahrzehnt breitet sich der Lärchenwald nach Norden hin aus. In allen ungünstigeren Entwicklungsszenarien droht stattdessen der Totalverlust eines einzigartigen Naturraums.

Eva Klebelsberg, Referentin für arktische Regionen bei der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland, kommentierte die Studie mit den Worten, für die sibirische Tundra gehe es mittlerweile "ums nackte Überleben".

Manche Pflanzen und Tiere gibt es nur dort

Die Tundra gilt als einzigartiger Lebensraum für Pflanzen, von denen viele nur dort vorkommen. Typische Arten sind die Weiße Silberwurz, Arktischer Mohn und Zwergsträucher wie Weiden und Birken, die sich dadurch auszeichnen, dass sie an die harschen Bedingungen mit nur kurzen Sommern und langen Wintern angepasst sind. Die Tundra beherbergt auch einzigartige Tiere wie Rentiere, Lemminge und Insekten wie die Arktische Hummel.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Mai 2022 um 14:00 Uhr.