EIleen Gu | REUTERS

Olympische Winterspiele Eileen Gu - der umstrittene Superstar

Stand: 14.02.2022 20:17 Uhr

In Peking kämpft Eileen Gu im Freestyle-Skiing erneut um Gold. Die in den USA geborene Halbchinesin wird in Staatsmedien gefeiert. Dass sie für China statt für die USA antritt, ist im Ausland umstritten.

Von Eva Lamby-Schmitt, ARD-Studio Shanghai

Das war er, der Sprung zu Gold. Applaus, den sie direkt nach der Medaillen-Übergabe auf Instagram geposted hat. Ein Privileg, das sie hat. Sie ist in den USA aufgewachsen. Sie kennt das freie Internet und nicht die Zensur. Ein Kommentator sagt: "Und sie ist die erste Olympia-Siegerin im Big Air der Frauen hier in Peking. Gu Ailing."

Eva Lamby-Schmitt ARD-Studio Shanghai

Oder Eileen Gu, wie sie in den USA heißt. Ihre Goldmedaille ist jetzt in den chinesischen Staatsmedien ganz oben Thema.

Das Gesicht auf den Plakaten in China

Auf kaum eine andere Sportlerin haben die chinesischen Medien mehr gesetzt. Sie ist das Gesicht auf den Plakaten, auf den Videoleinwänden, auf den Social-Media-Kanälen der chinesischen Staatsmedien. Jetzt umso mehr. Vor drei Jahren hatte die Teenagerin entschieden, bei den Olympischen Winterspielen nicht für die USA, sondern für China anzutreten, das Heimatland ihrer Mutter.

Bei Chinesinnen und Chinesen kommt das gut an: "Das ist eine sehr gute Wahl für sie. In China könnte sie sich besser entwickeln. Überhaupt kann China ihr bessere Bedingungen anbieten", sagt eine Chinesin.

"Ich finde, sie steht selbstbewusst zu ihrer eigenen Identität. China ist Gastgeber der Olympischen Winterspiele, will sich natürlich präsentieren. China braucht Sportler, die im Namen von China antreten", so ein Chinese.

Es ist nicht bekannt, ob die Sportlerin die US-amerikanische Staatsbürgerschaft aufgegeben hat, um für China anzutreten. Aber sie hat sich zumindest sportlich für das Heimatland ihrer Mutter entschieden und es damit begründet, dort mehr Menschen für ihren Sport begeistern zu können.

Für viele nicht nachvollziehbar

Für viele im Ausland und in den USA ist ihre Entscheidung, für China an den Start zu gehen, angesichts der Menschenrechtsverletzungen nicht nachvollziehbar. Der Journalist Mark Dreyer kennt Chinas Sportindustrie gut. Er hat ein Buch darüber geschrieben ("Sporting Superpower") und hat auch den Aufstieg von Eileen Gu mitverfolgt: "Sie hat absichtlich versucht, so weit es geht, sich von politischen Fragen fernzuhalten. Aber der Fakt, dass sie sich dafür entschieden hat, nicht mehr für die USA anzutreten und stattdessen für China, ist ein Geschenk für die Propaganda in China und für diejenigen, die es politisch sehen wollen."

Aus der amerikanischen Perspektive könne der Fakt, dass sie gerade eine Goldmedaille gewonnen hat, die für China zählt und nicht für die USA, noch mehr Kritik aus den USA nach sich ziehen, fügt er hinzu.

Eine Frau geht in China an einem Plakat von Freestylerin Eileen Gu vorbei.  | AFP

Sie ist das Gesicht auf den Plakaten in China: Eileen Gu Bild: AFP

Model, Sportlerin, Influencerin und bald Studentin

Sie selbst fühlt sich nach eigener Aussage auf ihrem Instagram-Kanal sowohl als Amerikanerin als auch als Chinesin. Sie hat dadurch auch hochkarätige Sponsoren auf beiden Seiten. In China ist sie Markenbotschafterin für den offiziellen Olympiapartner für Sportbekleidung, Anta. Sie modelt für Louis Vuitton, Tiffany & Co und Victoria Secrets. Sie ist Influencerin und hat mehr als eine Million Follower auf ihrem Instagram-Kanal. Sie ist Einser-Schülerin und geht im Herbst zum Studium nach Stanford. Und jetzt ist sie Olympiasiegerin.

"Fast nichts, was sie nicht kann"

"Da gibt es fast nichts, was sie nicht kann. Es scheint so zumindest", sagt Mark Dreyer: "Die Chancen bei den weiteren Disziplinen bei den Olympischen Winterspielen stehen grundsätzlich noch besser als beim Big Air. Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch mehr Medaillen gewinnt, ist groß. Und es könnten auch Goldmedaillen sein."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 14. Februar 2022 um 13:20 Uhr.