Mehrere Menschen in Kabinen eines Impfzentrums im israelischen Rishon Lezion erhalten eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus. | REUTERS

Corona-Pandemie Wie Israels Kampagne zur Drittimpfung vorankommt

Stand: 20.09.2021 03:08 Uhr

In Israel ist die Corona-Drittimpfung in vollem Gange. Viele - aber bei weitem nicht alle Israelis - machen mit. Die Hoffnung: Ein deutlich besserer Schutz vor Infektionen. Denn in Israel ist die Zahl der Ansteckungen nach wie vor hoch.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Wartemarken, abgetrennte Kabinen und ein kleiner Pieks: Dieses Impfzentrum im Norden von Tel Aviv könnte auch in einer deutschen Großstadt stehen. Einen großen Unterschied gibt es aber: Die meisten Menschen holen sich hier bereits die dritte Impfdosis.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Zum Beispiel Lihi, die gerade einmal 30 Jahre alt ist. Sie sagt: "Ich möchte nicht an Corona erkranken und wir wollen die Epidemie stoppen. Man konnte sehen, dass die Antikörper der zweiten Impfung gesunken sind. Deshalb habe ich mich für die dritte Impfung entschieden. Außerdem machen das alle."

Alle machen das nicht mit der dritten Dosis. Aber viele. Es sind bereits mehr als drei Millionen Israelis, also ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Bedenken haben manche trotzdem. Diese 24-jährige Studentin ließ sich impfen - machte das aber nur ungern: "Wenn wir im Oktober zurück an die Uni gehen, werden sie wohl eine dritte Impfung verlangen. Unser Eindruck ist, dass Menschen über 65 diese Drittimpfung wirklich brauchen. Aber junge Menschen? Wir sind besorgt wegen möglicher Nebenwirkungen. Und wir fragen uns, wie lange das noch so geht. Wird es bald eine vierte Impfung geben? Wann hört das auf?"

Impfnachweise laufen aus

Der Staat macht Druck: Ab Oktober verfallen in Israel die sogenannten Grünen Pässe sechs Monate nach der Zweitimpfung. Im Klartext: Wer weiterhin am öffentlichen Leben teilnehmen will, braucht irgendwann eine dritte Dosis. Israels Premierminister Naftali Bennett muss sich die Frage gefallen lassen, ob es seine Regierung damit etwas übertreibt.

Vor wenigen Tagen entschied sich die US-Behörde FDA, eine generelle dritte Auffrischungsimpfung erst ab 65 Jahren zu empfehlen. In Israel gibt es die Befürchtung, dass die Nachrichten aus den USA die Impfmoral bei Jüngeren senken werden. Die Regierung wirbt daher um Vertrauen: Als Impfvorreiter habe man eben früher gemerkt, dass der Impfschutz nach etwa sechs Monaten sinkt. Außerdem wolle man mit den Drittimpfungen einen weiteren Lockdown verhindern.

Studie: Deutlich besserer Schutz nach Drittimpfung

Eyal Leshem ist Professor und Spezialist für Infektionskrankheiten am Sheba Krankenhaus bei Tel Aviv. Er hält die Drittimpfungen für sinnvoll: "Als Ärzte wägen wir immer die Risiken und den Nutzen ab. Und vor dem Hintergrund der Daten, die wir in Israel sehen, denken wir, dass das Risiko einer dritten Dosis sehr, sehr gering ist. Und der Nutzen einer Booster-Impfung die Risiken deutlich überwiegt."

Das Krankenhaus des Professors war an einer ersten Studie beteiligt. Demnach haben Drittgeimpfte ein zehnfach geringeres Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken, als jene, die nur zwei Dosen bekamen. Das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes, so die vorläufigen Daten, sinke sogar um den Faktor 18. In Israel wird fast ausschließlich das Vakzin von BioNTech und Pfizer verimpft.

Weiterhin viele Ansteckungen

Natürlich weiß auch der Mediziner, dass Impfstoff in vielen Ländern noch immer knapp ist. Dass die Weltgesundheitsorganisation auch deshalb von breit angelegten Drittimpfungen abrät. "Ich kann die Bitte der WHO nachvollziehen", sagt Leshem. "Allerdings ist es die Aufgabe der israelischen Regierung, ihre Bürger zu schützen. Vor allem die Älteren. Wir haben eine Zunahme der schweren Krankheitsverläufe und Durchbruchsinfektionen bei Älteren gesehen. Da bietet eine weitere Impfung den besten Schutz."

Während Israel die dritten Dosen verabreicht, hält sich die Maskendichte an vielen Orten in Grenzen. Manche warnen schon, die anderen Maßnahmen gegen Corona-Infektionen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen in Israel ist im internationalen Vergleich weiterhin sehr hoch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 20. September 2021 um 07:10 Uhr in der Sendung "Studio 9".