Eine Lieferung lebenswichtiger medizinischer Hilfsgüter aus dem Vereinigten Königreich kommt in Neu-Delhi an | via REUTERS

Corona-Notstand in Indien Erste Hilfslieferungen angekommen

Stand: 27.04.2021 10:26 Uhr

In Neu-Delhi sind erste Hilfsgüter angekommen. In der indischen Hauptstadt ist die Lage besonders dramatisch: Sauerstoff ist knapp, Menschen suchen verzweifelt nach Krankenhausbetten für erkrankte Angehörige.

Die erste Corona-Hilfslieferung aus Großbritannien ist in Indien eingetroffen. Eine Maschine der Lufthansa landete in Neu-Delhi mit 100 Beatmungsgeräten und 95 Sauerstoffkonzentratoren an Bord, wie das indische Außenministerium mitteilte.

Ministeriumssprecher Arindam Bagchi veröffentlichte im Onlinedienst Twitter Fotos von der Flugzeugentladung und schrieb dazu: "Internationale Kooperation bei der Arbeit".

Indien erhält angesichts des drohenden Zusammenbruchs seines Gesundheitssystems in der Corona-Krise internationale Unterstützung. Das ohnehin schlecht ausgestattete Gesundheitssystem Indiens steht angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen vor dem Zusammenbruch.

Großbritannien will mehr als 600 lebenswichtige medizinische Geräte bereitstellen. Insgesamt sind neun Flugzeug-Containerladungen geplant mit knapp 500 Sauerstoffkonzentratoren, 120 Geräten für nicht-invasive Beatmung und 20 Geräte für die manuelle Beatmung, wie die Britische Kommission in Neu-Delhi mitteilte. 

Zahlreiche Hilfszusagen

Auch die WHO, Deutschland, die USA und mehrere weitere Ländern kündigten Hilfslieferungen in das von der Pandemie hart getroffene Land an. Deutschland will unter anderem Sauerstoff- und Beatmungsgeräte sowie Medikamente schicken. Die Bundeswehr ist bereits dabei, eine mobile Sauerstoffaufbereitungsanlage nach Indien zu befördern. Daran werde mit Hochdruck gearbeitet, hatte zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt.

Besonders dramatisch ist die Lage in der Hauptstadt Neu-Delhi. In zahlreichen Krankenhäusern sind medizinischer Sauerstoff und Medikamente knapp.

Angehörige von Corona-Patienten suchen im Internet verzweifelt nach freien Krankenhausbetten, Kliniken aber weisen Angehörige oft ab, die ihre kranken Familienmitglieder einliefern lassen wollen.

Tests wurden heruntergefahren

Wie viele Menschen sich hier gerade anstecken, ist völlig unklar. In der vergangenen Woche war jeder dritte Test positiv, nun seien die Tests wohl fast zu 50 Prozent runtergefahren, schreiben indische Tageszeitungen. Tatsächlich war es kaum mehr möglich, sich testen zu lassen, die Labore haben in den letzten Tagen keine Aufträge mehr angenommen.

Mitverantwortlich für die dramatische Lage in Indien ist vermutlich die neue Coronavirus-Mutante B.1.617. Deutschland hat deshalb wie zahlreiche andere Länder einen weitgehenden Einreisestopp verhängt.

 Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 27. April 2021 um 12:14 Uhr.