Medizinisches Personal in Shanghai | REUTERS

Trotz Null-Covid-Politik Neuinfektionen in China auf neuem Hoch

Stand: 07.11.2022 12:15 Uhr

Null-Covid und bedingungslose Lockdowns - China fährt seit Beginn der Pandemie einen strikten Kurs. Die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages liegt aktuell dennoch wieder so hoch wie vor einem halben Jahr, bei 5600.

Trotz massiver Gegenmaßnahmen steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen in China weiter an. Sie liegt mit über 5600 Fällen innerhalb von 24 Stunden auf einem Niveau wie zuletzt im Mai 2022. Ein Großteil der Neuinfektionen wurde in der wirtschaftlich wichtigen Provinz Guangdong registriert.

Die chinesische Staatsführung verfolgt seit Beginn der Pandemie eine strikte Null-Covid Strategie. Mit rigorosen und teils über Monate andauernden Lockdowns ganzer Provinzen. Die Infektionslage im Land wurde zuletzt dennoch immer schlechter.

Arbeiter installieren eine Barrikade um ein Wohngebiet in Peking, während eine Bewohnerin aus einem Fenster schaut. | REUTERS

Arbeiter installieren eine Barrikade um ein Wohngebiet in Peking, während eine Bewohnerin aus einem Fenster schaut, inmitten des Ausbruchs der Coronavirus-Krankheit (COVID-19). Bild: REUTERS

Zudem wächst der Unmut in der chinesischen Bevölkerung nach über zwei Jahren Null-Covid-Politik. Die Ankündigung der Gesundheitsbehörde, weiter "unerschütterlich" an der derzeitigen Corona-Politik festzuhalten, sorgt in Online-Netzwerken für viel Kritik. Auch die chinesische Wirtschaft hat durch die harten Maßnahmen weiter mit Produktionsausfällen zu kämpfen.

Unfälle und Suizide

Jüngst sorgten zwei Todesfälle aufgrund der rigorosen Lockdown-Maßnahmen für Proteste. So stürzte im mongolischen Hohhot eine 55-Jährige aus ihrer Wohnung in den Tod. Ihre Familie hatte die Behörden zuvor vielfach darauf aufmerksam gemacht, dass sie an einer Angststörung leide und suizidgefährdet sei. Sprachaufnahmen der Tochter mit der verzweifelten Bitte an die Behörden kursierten darauf im Netz - und lösten für das autokratische China ungewöhnlich laute Kritik aus.

Eine Frau und ein Kind hocken hinter einer Absperrung in Shanghai. | REUTERS

Niemand darf raus. Konsequente Lockdowns, wie hier in Shanghai, gehören in China seit Beginn der Pandemie zum Alltag. Bild: REUTERS

Nur wenige Tage zuvor erregte ein anderer Todesfall in einem abgeriegelten Wohnkomplex Aufsehen. In der Millionenmetropole Lanzhou starb ein dreijähriges Kleinkind an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Der Vater des Jungen machte die strenge Lockdown-Politik indirekt für den Tod seines Sohnes verantwortlich, da sie zu Verzögerungen bei der Behandlung geführt habe.

"Ich persönlich glaube, dass er indirekt getötet wurde", sagte der Vater des Jungen, Tuo Shilei, der Nachrichtenagentur Reuters aus der Provinzhauptstadt Lanzhou in Gansu, die seit mehreren Monaten abgeriegelt ist.

Trotz mehrerer Hilfeersuchen an die Behörden kam niemand zur Öffnung der Wohnung. Nachdem der Vater des Kindes die Tür selbst aufgebrochen hatte, fand er auch am Checkpoint vor dem Wohnkomplex keine Hilfe. Nach einer eilig organisierten Taxifahrt ins Krankenhaus kam die Hilfe dann zu spät für das Kind. Der Fall löste große Empörung in den sozialen Medien aus.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. November 2022 um 10:30 Uhr.