Ein Mitarbeiter entnimmt einen Rachenabstrich bei einem Kind in einem Pekinger Wohngebiet im Bezirk Fengtai. | dpa

Peking Zwei Millionen Tests kurz vor Olympia

Stand: 23.01.2022 16:45 Uhr

Kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele versucht China die Ausbreitung von Corona-Fällen mit strikten Maßnahmen zu verhindern. Zwei Millionen Bewohner Pekings müssen sich testen lassen - nach sechs Infektionen im Bezirk.

Die rund zwei Millionen Einwohner eines Stadtteils von Peking müssen sich wegen einer Reihe von Corona-Fällen testen lassen. Bei frostigen Temperaturen standen die Menschen im Viertel Fengtai Schlange, um der Anordnung der Stadtregierung Folge zu leisten.

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele will die chinesische Führung jegliche Übertragungsketten unterbrechen. In Peking waren in den vergangenen Wochen nach offiziellen Angaben 46 Ansteckungen festgestellt worden. Fengtai im Süden der Hauptstadt soll das Zentrum des Ausbruchs sein, in dem Bezirk wurden demnach zuletzt sechs Neuinfektionen gemeldet.

"Strenge und entschiedene Maßnahmen"

"Wir müssen alles tun, um die Ausbreitung so schnell wie möglich zu stoppen, indem wir entschlossene, strenge und entschiedene Maßnahmen ergreifen", bekräftigte Xu Hejian, Sprecher der Pekinger Stadtregierung.

Die Winterspiele beginnen am 4. Februar. Für die Spiele haben die Behörden zum Schutz vor Corona eine fast 200 Kilometer lange Zone zur abgeschotteten Olympia-Blase erklärt.

39 Fälle bei Olympia-Beteiligten

Bei der ersten Anreisewelle wurden 39 Corona-Fälle bei Olympia-Beteiligten festgestellt. Es seien keine der 171 Athleten und Team-Funktionäre von den positiven Tests am Flughafen betroffen gewesen, teilten die chinesischen Organisatoren mit. Die Fälle verteilen sich demnach unter den 2415 anderen Akkreditierten, die zwischen dem 4. und 22. Januar in Peking angekommen waren.

Vor der Anreise müssen alle Olympia-Beteiligten zwei negative PCR-Tests nachweisen. Nur mit Impfnachweis kann eine dreiwöchige Quarantäne bei der Einreise in Peking vermieden werden. Die Organisatoren wollen mit einer geschlossenen Blase und täglichen Tests die Verbreitung von Infektionen vermeiden und Kontakte zur chinesischen Bevölkerung verhindern.

IOC-Mediziner verteidigt Corona-Testregeln

Das Internationale Olympische Komitee verteidigte das strikte Vorgehen. Es sei das Ziel der Organisatoren, "Omikron nicht in die geschlossene Blase zu lassen", sagte der IOC-Arzt Brian McCloskey, der die Medizinische Expertenkommission bei Olympia in China anführt, einer Mitteilung zufolge.

Umstritten ist vor allem, dass die Gastgeber andere Grenzwerte ansetzen, ab wann ein Olympia-Teilnehmer als positiv gilt. Es sei wahrscheinlicher, dass vor ihrer Abreise negativ getestete Sportler nach ihrer Ankunft positiv getestet werden könnten, räumte McCloskey ein.

Kritik an höherem CT-Wert

Mehrere Athleten und Funktionäre wie der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier hatten zuletzt die Vorgaben der Organisatoren kritisiert. Im Fokus steht dabei der CT-Wert, der theoretisch angibt, wie ansteckend ein Corona-Infizierter ist. Je niedriger der Wert ist, als desto ansteckender gilt eine Person. In Deutschland gilt man ab einem Wert von über 30 als nicht mehr infektiös. In China ist dieser Wert auf 40 festgelegt.

Damit wolle man die Verbreitung des Virus verhindern, erklärte McCloskey. Das Testsystem in Peking sei "effektiv und verlässlich". Bei den PCR-Tests würde derselbe Typ wie überall in der Welt genutzt. Das Ziel seien "nicht null Fälle, sondern null Weiterverbreitung", betonte der Mediziner. Weil die Omikron-Variante ansteckender sei, müsse man die positiven Fälle sehr schnell ermitteln.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Januar 2022 um 16:00 Uhr.