Freiwillige in Schutzausrüstung gehen durch eine leere Straße in Shanghai. | AFP

Omikronwelle in Shanghai Lockdown geht in die zweite Phase

Stand: 01.04.2022 12:38 Uhr

Der Lockdown in Shanghai wird auf den Westen der Millionenstadt ausgeweitet. Nach vier Tagen Ausgangssperre dürfen die Einwohner im Osten ihre Wohnhäuser eigentlich wieder verlassen. Das trifft nun aber nicht auf alle zu.

In der chinesischen Millionenstadt Shanghai hat die zweite Stufe des achttägigen Lockdowns begonnen. Für 16 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen im Westen der Stadt gilt nun vier Tage lang ein striktes Ausgangsverbot. Sie sollen alle auf das Virus getestet werden.

Im ersten Schritt des Lockdowns waren der Osten und der Süden der Stadt abgeriegelt worden. Nach vier Tagen sollten die Menschen dort ihre Wohnhäuser wieder verlassen können. Die Maßnahme wird nun aber für alle verlängert, in deren Wohnhäusern Corona-Fälle entdeckt wurden.

Grenzen der Null-Covid-Strategie

Die Nationale Gesundheitskommission in China teilte mit, dass am Donnerstag landesweit 1787 Neuinfektionen registriert wurden. 358 davon waren in Shanghai. Weitere 5442 Menschen wurden positiv auf das Virus getestet, waren aber nicht erkrankt - davon 4144 in Shanghai. In China werden asymptomatische Infektionen gesondert ausgewiesen.

Die chinesische Regierung verfolgt eine Null-Covid-Strategie. Bisher konnte sie kleinere Ausbrüche mit Ausgangssperren, Massentests und Quarantäne eingrenzen, nun stößt sie bei der ansteckenderen Omikron-BA.2-Variante aber an ihre Grenzen.

Der öffentliche Nahverkehr ist eingestellt

Der Lockdown in Shanghai ist über zwei Phasen geplant, um alle 26 Millionen Einwohner auf das Coronavirus zu testen. Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Freiwillige gehen in voller Schutzausrüstung durch die Straßen und fordern die Bewohner mit Megafonen auf, sich an ausgewiesenen Stellen zum Coronatest zu melden. Für die Tests müssen die Menschen zum Teil bis zu 90 Minuten anstehen.

Straßen wurden gesperrt und der öffentliche Nahverkehr ist eingestellt. Bei einigen Wohnanlagen wurden die Tore sogar von außen verschlossen. Lebensmittel und andere lebensnotwendige Waren werden an Sammelstellen geliefert.

Kritik an den Maßnahmen

In den sozialen Netzwerken gab es scharfe Kritik an den Maßnahmen der vergangenen Tage. "Ist es das Ziel dieses Lockdowns, uns auszuhungern?", fragte etwa ein Nutzer im chinesischen Online-Netzwerk Weibo.

Selbst staatliche Medien berichteten von Schwierigkeiten, beispielsweise bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin. Der Generalsekretär der Shanghaier Stadtregierung, Ma Chunlei, entschuldigte sich bei den Einwohnern für die Unannehmlichkeiten.

Deutsche Unternehmen sind besorgt

Auch deutsche Unternehmen sind besorgt wegen Chinas Null-Covid-Strategie, weil diese wirtschaftliche Folgen haben könnte. Die Deutsche Handelskammer in China rief die Behörden zu mehr Transparenz bei den Coronamaßnahmen auf. Die Lockdowns hätten schwerwiegende Auswirkungen auf Logistik, Lagerhaltung und Lieferketten bei der Hälfte der in der Handelskammer organisierten Unternehmen zur Folge.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. April 2022 um 09:00 Uhr.