Ein Mann geht durch einen Supermarkt mit leeren Regalen in Shanghai. | EPA

Corona-Pandemie Shanghai vor striktem Lockdown

Stand: 27.03.2022 17:47 Uhr

Die chinesische Metropole Shanghai hat nun doch einen Lockdown angekündigt. Zur Testung der Bevölkerung soll das öffentliche Leben in zwei Stufen heruntergefahren werden. Die Behörden hatten gehofft, auf drastische Maßnahmen verzichten zu können.

In Chinas größter Stadt Shanghai wird wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen nun doch ein mehrtägiger Lockdown verhängt, der in zwei Schritten erfolgen soll. Wie die Stadtverwaltung bekannt gab, geht die Seite östlich des Huangpu-Flusses ab Montag für fünf Tage in den Lockdown. Ab Freitag ist dann die westliche Hälfte der Hafenstadt dran. Solche mehrtägigen Lockdowns wurden bereits mehrfach verhängt, oft dauerten sie dann jedoch länger als zunächst angekündigt.

Es fahren dann keine öffentlichen Verkehrsmittel, Fähren oder Taxis mehr. Unternehmen müssen auf Homeoffice umschalten oder mit dem Personal arbeiten, das auf einem geschlossenen Werksgelände wohnt. Ausgenommen sind den Behörden zufolge öffentliche Dienste und die Lebensmittelversorgung. Die Einwohner sollen in der Zeit auf das Coronavirus getestet werden. Im Großraum Shanghai leben mehr als 26 Millionen Menschen.

Lockdown bisher ausgeschlossen

Die Behörden der Wirtschaftsmetropole Shanghai hatten bisher auf weniger harte Maßnahmen gesetzt. Es gab etwa rotierende zweitägige Lockdowns und Massentests in einzelnen Stadtvierteln. Auch am Samstag noch hatten die Behörden erklärt, auf einen umfassenden Lockdown verzichten zu wollen. Eine "vollständige Stilllegung" von Shanghai würde dazu führen, "dass viele internationale Frachtschiffe im Ostchinesischen Meer umhertreiben würden", sagte ein Vertreter des Corona-Krisenstabs von Shanghai. "Dies hätte Auswirkungen auf die ganze nationale und die globale Wirtschaft."

Shanghai sowie die nordostchinesische Provinz Jilin sind die am schwersten von der aktuellen Corona-Welle in China betroffenen Regionen. Allein für Samstag wurden in Shanghai 2631 asymptomatische Corona-Fälle gemeldet. Das entspricht fast 60 Prozent aller Neuinfektionen in China. Alle Infizierten müssen in Quarantäne.

Omikron-Variante fordert Null-Covid-Strategie heraus

China verfolgt eine Null-Covid-Strategie, die mit der Ankunft der sich leichter verbreitenden Omikron-Variante seit Anfang des Jahres auf eine harte Probe gestellt wird. Bis dahin hatten die Behörden erfolgreich mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung und Quarantäne kleinere Ausbrüche bekämpft. Das Leben in China lief seit fast zwei Jahren weitgehend normal, auch wenn sich das Land zum Ausland abgeschottet hat. Es werden fast keine Visa vergeben. Einreisende müssen drei Wochen lang in Quarantäne.

Mit dem Lockdown von Shanghai dürften auch die Sorgen der deutschen Wirtschaft vor Material- und Lieferengpässen zunehmen. Schließlich ist China ihr mit Abstand wichtigster Handelspartner: Zwischen beiden Ländern wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 245,4 Milliarden Euro gehandelt und damit 15,1 Prozent mehr als im ersten Corona-Jahr 2020.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. März 2022 um 20:00 Uhr.