Menschen protestieren in Dhaka gegen die Einschränkungen, die als Präventivmaßnahme gegen das Covid-19-Coronavirus verhängt wurden. | AFP

Lockdown in Bangladesch Proteste, Stadtflucht, Hamsterkäufe

Stand: 06.04.2021 11:41 Uhr

Wegen dramatischer Corona-Zahlen hat in Bangladesch ein einwöchiger Corona-Lockdown begonnen. Hunderte Ladenbesitzer protestieren dagegen. Die Menschen hamstern, Tagelöhner fliehen aufs Land.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Mosharraf Hossain ist sauer. Der Besitzer eines kleinen Ladens in der Hauptstadt von Bangladesch, in Dhaka, fühlt sich von der Regierung im Stich gelassen:

Die Regierung hat diesen Lockdown ganz plötzlich verhängt. Es gibt eine Buchmesse, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Textilfabriken und andere Produktionen - alle laufen weiter. Nur wir, die Ladenbesitzer und Angestellten, müssen unsere Geschäfte schließen. Wir werden ausgebremst. Dieses System lässt uns pleitegehen.
Peter Hornung

Ladenbesitzer protestieren in Dhaka

Einem Reporter der Nachrichtenagentur AP gegenüber lässt Hossain seine Wut heraus - und er ist nicht der einzige, der das tut. "Lehnt den Lockdown ab", steht auf einem handbemalten Schild. Hunderte Ladenbesitzer sind auf die Straße gegangen, weil sie fürchten, den Lockdown wirtschaftlich nicht zu überleben.

Man wolle sich an alle Regeln halten, sagt Hossains Kollege Mohamad Aslam einem indischen Fernsehsender, aber man brauche die Einnahmen. "Wir protestieren, weil wir unsere Läden weiter öffnen wollen, wobei wir uns natürlich an alle Corona-Vorschriften halten." Die Premierministerin müsse diese Forderungen erfüllen, damit sie ihr Geschäft fortführen können.

Ein paar Fahrzeuge fahren auf einer ansonsten belebten Straße in Dhaka. | AP

Die Corona-Maßnahmen der Regierung greifen tief in das Leben der Menschen in Bangladesch ein: So sind öffentliche Verkehrsmittel stark reglementiert. Bild: AP

Pandemie belastet Gesundheitssystem

7000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gab es in dem südasiatischen Land am vergangenen Sonntag - so viele wie noch nie an einem Tag. Das bedeutet eine große Belastung für das wenig entwickelte Gesundheitssystem.

Die Maßnahmen der Regierung greifen tief in das Leben der Menschen ein: Busse dürfen nur noch halb so viele Passagiere transportieren wie bisher, viele öffentliche Verkehrsmittel fahren gar nicht, Inlandsflüge wurden gestrichen.

Flucht in die Dörfer

Gleichzeitig versuchen Menschen aus Dhaka aufs Land in ihre Dörfer zu fliehen, weil sie fürchten, ohne Einnahmen zu verhungern.

Stadtbewohnerinnen wie Shumur Gomes hamstern Waren, weil sie glauben, dass der Lockdown länger dauern könnte: "Wegen des Lockdowns kaufe ich jetzt erst mal ein. Der Lockdown soll zunächst eine Woche dauern. Aber wer weiß, wie lange das wirklich geht."

Menschen gehen auf einem Bahnhof in Dhaka an einem Zug entlang. | AFP

Die Menschen in Bangladesch haben die Sorge, der Lockdown könnte länger als eine Woche dauern. Viele verlassen die Großstadt Dhaka. Bild: AFP

Fabriken dürfen weiter produzieren

Die Fabriken, in denen Textilien für die ganze Welt hergestellt werden, dürfen weiter offen bleiben - wie auch andere produzierende Unternehmen, die Schutzkonzepte für ihre Arbeiterinnen und Arbeiter entwickelt haben. Weitere Voraussetzung: Sie müssen Fahrdienste für ihre Angestellten organisieren.

Darüber hinaus solle der Lockdown aber strikt durchgesetzt werden, sagt Premierministerin Sheikh Hasina. Das wird als dringend nötig gesehen, denn - wie in vielen anderen Ländern auch - wurden Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie in Bangladesch zuletzt kaum mehr beachtet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. April 2021 um 12:00 Uhr.