Mehrere Menschen registrieren sich für eine Impfung in Neu-Delhi. | dpa

Corona-Lage in Indien Neu-Delhi erwartet keine vierte Welle

Stand: 01.11.2021 13:28 Uhr

Im Frühjahr wurde Indiens Hauptstadt Neu-Delhi von einer schweren Corona-Welle mit vielen Toten erfasst. Weil fast alle Bewohner dem Virus ausgesetzt waren, ist die Lage nun viel besser: Viele haben Antikörper gebildet.

Von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Delhi

Es sind Szenen, die sich tief ins Gedächtnis der Menschen eingebrannt haben. Vor den Hospitälern stauen sich die Krankenwagen. Schwer atmende Patienten darin, die dringend Sauerstoff brauchen. Die Tore sind geschlossen, denn es ist kein Platz mehr in den Ambulanzen und den Intensivstationen. Und es gibt keinen medizinischen Sauerstoff. 

Peter Hornung ARD-Studio Neu-Delhi

Fast mit Tränen in den Augen berichtet ein Klinikleiter im Fernsehen: "Wie stehe ich vor Gott da, wenn meine Patienten sterben? Ich kann doch selbst keinen Sauerstoff produzieren. Die Leute leiden, wir brauchen Sauerstoff. Wir brauchen Hilfe!"

Hunderte Tote am Tag, Zehntausende registrierte Neuinfektionen: Was im April und Mai in Neu-Delhi geschah, war schlicht eine Katastrophe. Eine Katastrophe, die sich jedoch kaum wiederholen wird, denn als Folge der zweiten Welle im Frühjahr haben fast alle Menschen in Delhi Antikörper im Blut.

Antikörper haben hier fast alle

Vor wenigen Tagen konnte Delhis Gesundheitsminister Satyendar Jain gute Zahlen verkünden. Insgesamt liege die Zahl der Menschen mit Antikörpern bei 97 Prozent, so der Politiker. Das sei das Ergebnis einer aktuellen Studie, der sechsten ihrer Art, die das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Coronavirus untersucht.

Zahlen, die Optimismus wecken, die aber im Grunde nicht erstaunlich seien, sagt die Ärztin Pragya Sharma, die an der Studie mitgewirkt hat. "Wir waren nicht überrascht. Das hatten wir erwartet. Denn erstens haben wir eine große Impfaktion in den letzten zweieinhalb Monaten hier in Delhi gehabt", so Sharma. "Und wir hatten eben diese riesige Pandemiewelle im April und Mai. Und deshalb sind wir davon ausgegangen, dass die darauffolgenden sechs Monate die Antikörperlevel ziemlich hoch sind."

Viele Fälle mit asymptomatischem Verlauf

Es sind die Genesenen und die Geimpften, die wohl noch eine geraume Zeit einen guten Schutz haben gegen die Infektion, aber es ist auch eine dritte Gruppe: diejenigen, die eine Infektion kaum oder nur wenig gespürt haben.

Sharma erläutert: "Als die Hauptstadt Delhi so viele symptomatische Fälle hatte, waren eben fast 100 Prozent der Bevölkerung dem Virus ausgesetzt. Und es gab eine riesige Zahl asymptomatischer Fälle. Durch die riesige Zahl asymptomatischer Fälle und zusätzlich die Impfungen finden sich bei so vielen Menschen Antikörper."

Von Donnerstag an wird auch in der 20-Millionen-Stadt Delhi Diwali gefeiert, das viertägige hinduistische Lichterfest - Feuerwerk und Menschenmassen, Corona kaum mehr ein Thema.

Ein junger Mann sagt: "Es gibt kein Corona mehr. Mein Körper hat Antikörper gegen das Virus." "Wir müssen doch feiern. Wir können doch nicht einfach zuhause hocken", so eine Frau aus Delhi.

Trotz der guten Zahlen: Die Menschen sollten nicht alle Vorsicht fahren lassen, warnt Covid-Expertin Sharma. Maskentragen, Hände desinfizieren, Abstand halten.

Dennoch ist auch sie optimistisch für die nächsten Monate. "Was die Gegenwart anbelangt, ist das eine sehr glückliche Situation. Denn wir haben hier das Schlimmste erlebt, was hat passieren können. Praktisch alle waren dem Virus ausgesetzt und haben Antikörper. Und wenn es in der näheren Zukunft keine schwere Mutation des Virus gibt, dann erwarten wir auch keine neue Pandemiewelle."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. November 2021 um 12:48 Uhr.