Ein Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe in einem Abwasserkanal. | dpa

Corona-Pandemie Virus-Informationen aus dem Kanal

Stand: 02.05.2021 10:00 Uhr

Die EU-Staaten sollen ihr Abwasser regelmäßig auf Coronaviren überprüfen, fordert EU-Kommissar Sinkevicius, um die Gesundheitsbehörden bei ihren Entscheidungen zu unterstützen. In Deutschland gibt es bereits entsprechende Projekte.

Die EU-Kommission hat die Mitgliedsstaaten zur Eindämmung der Pandemie dazu aufgerufen, künftig regemäßig das Abwasser auf Coronaviren zu untersuchen. "Die Überwachung von Abwasser kann eine kostengünstige, schnelle und verlässliche Quelle für Informationen sein über die Verbreitung des Virus und seinen Varianten in der Bevölkerung", sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius der "Welt am Sonntag". Die 27 Staaten sollten "schnellstmöglich effektive Abwasser-Überwachungssysteme einrichten". Es müssten "alle verfügbaren Möglichkeiten" genutzt werden, um das Virus und seine Mutanten zu entdecken, erklärte Sinkevicius.

Möglichst zwei Stichproben pro Woche

Es handele sich um ein zusätzliches Hilfsmittel, um Entwicklungen zu verfolgen und den Entscheidungsprozess der öffentlichen Gesundheitsbehörden zu unterstützen, sagte der EU-Kommissar aus Litauen. Städte und größere Gemeinden sollten demnach möglichst zwei Stichproben wöchentlich genommen werden. Diese wiederum sollten regelmäßig, vorzugsweise zweimal im Monat, analysiert werden. Die Analyse von Abwasser könne als Frühwarnsystem eingesetzt werden. "Wenn das Virus dagegen nicht im Abwasser nachgewiesen wird, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die untersuchten Gebiete als mit geringem Risiko behaftet angesehen werden können", sagte Sinkevicius.

Projekte zur Abwasseruntersuchung auch in Deutschland

Die Untersuchung von Abwasser sei "ein bewährtes Konzept bei der öffentlichen Gesundheitsüberwachung". Im Mai 2020 startete zum Beispiel in Deutschland ein Projekt des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig zusammen mit der TU Dresden und der Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Dabei wurden Proben aus etwa 50 Kläranlagen bundesweit gesammelt und ausgewertet. Studienleiter Hauke Harms sagte dem mdr, man habe inzwischen so feine Messmethoden entwickelt, dass selbst Mutationen festgestellt werden können. "Wir können eine Verbindung herstellen zwischen unserer Virusauffindung im Abwasser und dem, was in der Stadt passiert", erklärte Harms.

Stichproben von Abwasser werden aber auch zu anderen Zwecken ausgewertet. Mehrere europäische Metropolen wie Barcelona nutzen sie, um Erkenntnisse über die Menge und die Art des Drogenkonsums in der Bevölkerung zu gewinnen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Mai 2021 um 12:00 Uhr.