Auf einem Fernseher unter einem Bild des chinesischen Staatschefs Xi Jinping läuft eine chinesische Talkshow. | AP

Chinesische Unterhaltungsindustrie Fernsehen, wie es die Führung mag

Stand: 02.09.2021 17:09 Uhr

China geht gegen die Unterhaltungsbranche vor: "Ungesunde Inhalte" und "verweichlichte Ästhetik" im Fernsehen werden verboten. Die ohnehin bereits streng zensierten TV-Sender wurden angewiesen, Patriotismus zu kultivieren.

Die chinesischen Behörden haben ihr hartes Vorgehen gegen die Unterhaltungsindustrie weiter verschärft. Die TV-Sender wurden angewiesen, Künstlerinnen und Künstler mit "inkorrekten politischen Positionen" von Programmen auszuschließen. Es müsse eine "patriotische Atmosphäre" kultiviert werden, wie die Nationale Radio- und Fernsehbehörde (NRTA) mitteilte. Die Regulierung von Kulturprogrammen werde verschärft. Gegen als ungesund empfundene Inhalte werde ebenso vorgegangen wie gegen hohe Gehälter der Stars und Steuerhinterziehung.

Die Auswahl der Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Gäste in den Sendern soll zudem sorgfältig kontrolliert werden. Politische Bildung und moralisches Verhalten gelten demnach als Kriterien. Der "deformierte" Geschmack wie eine "verweichlichte Ästhetik" in den Programmen solle beendet werden. Unterhaltung mit "vulgären" Internetstars solle abgelehnt werden.

"Verweichlichte Männer" im Fernsehen verboten

So will die chinesische Regierung im Fernsehen nun nur noch Mannsbilder mit klar maskuliner Ausstrahlung sehen. Die Sender müssten "verweichlichten Männern und anderer abnormer Ästhetik entschlossen ein Ende machen", hieß es in einer Anordnung, in der das Schimpfwort "Niang Pao" (wörtlich etwa "Mädchenpistolen") für solche Persönlichkeiten verwendet wurde.

Die Anweisung wendet sich offenbar gegen einen Trend zu einem eher weiblichen oder androgynen Aussehen von Sängern oder Schauspielern. Den Behörden sind offenbar chinesische Popstars suspekt, die sich vom elegant bis mädchenhaften Auftreten südkoreanischer und japanischer Sänger beeinflussen lassen, anstatt chinesische Jungs zu männlichem Auftreten anzuhalten. Die Fernsehstationen sollten sich an "politische Qualität, moralischen Charakter und künstlerische Standards als Auswahlkriterien" halten. Es solle ein "patriotischer, tugendhafter und künstlerischer Ethos" in der Unterhaltungsindustrie geschaffen werden.

Zudem versuchen chinesische Behörden auch angesichts sinkender Geburtsraten, Jugendlichen traditionellere Männlichkeitsvorstellungen mitzugeben.

Keine Reality-Talentshows mehr

Verboten sind in China künftig auch Reality-Talentshows. "Sendeanstalten dürfen keine Formate mit der Schaffung mutmaßlicher Heldenfiguren sowie keine Varieté- und Reality-Shows zeigen", erklärte die staatliche Regulierungsbehörde. Eine "unmoralische" Pop-Kultur im Land führe junge Menschen auf Abwege. Talentshows, bei denen Hunderte aufstrebende Jugendliche und Erwachsene harte Bootcamps durchlaufen und sich öffentlichen Abstimmungen stellen, sind in der Volksrepublik sehr populär. 

Angesichts der Entwicklung wurde Kritik an obsessiven Fans und angeblich schlechten Vorbildern laut. Aufmerksamkeit für Prominente gilt als ungesund. Aufforderungen an die Fans, Geld für die Stimmabgabe in Fernsehsendern auszugeben, sollten strikt verboten werden.

"Chaotische" Fankultur regulieren

Die neuen Anordnungen reihen sich ein in die von Staats- und Parteichef Xi Jinping ausgerufene Kampagne zur "nationalen Verjüngung" mit einer stärkeren Kontrolle von Wirtschaft, Bildung, Kultur und Religion durch die Kommunistische Partei. Sie erfolgten im Rahmen einer neuen Regulierung der Unterhaltungsbranche und einer als "chaotisch" empfundenen, kommerzialisierten Fankultur in China.

Hintergrund sind auch einige Skandale um chinesische Stars sowie die von Staats- und Parteichef Xi Jinping betriebene "nationale Erneuerung" und Ideologisierung der Gesellschaft. Zuletzt hatte eine Reihe an Skandalen einige von Chinas größten Entertainerinnen und Entertainer zu Fall gebracht. Darunter Sänger Kris Wu, der wegen des Verdachts auf Vergewaltigung festgenommen wurde, sowie die Schauspielerin Zheng Shuang, die mit einem Steuerbußgeld von umgerechnet etwa 39 Millionen Euro belegt wurde.

Maximal drei Stunden Videospielen pro Woche

Das Fernsehen solle auch keinen Reichtum mehr bewundern, hieß es. Vielmehr sollten die Programme die "hervorragende sozialistische, revolutionäre und traditionell chinesische" Kultur fördern. Damit soll nach Jahren des rasanten Wachstums die Kontrolle über Wirtschaft und Gesellschaft gestärkt werden. Die NRTA wiederum kündigte nun Vorschriften zur Begrenzung der Gagen für Schauspielerinnen und Schauspieler an. Sie sollen zudem dazu ermuntert werden, an Wohlfahrtsprogrammen teilzunehmen und mehr soziale Verantwortung zu übernehmen.

Erst kürzlich war der Zugang Minderjähriger zu Onlinespielen begrenzt worden - auf maximal drei Stunden pro Woche und nur freitags, an den Wochenenden und Feiertagen. Damit reagierten die Aufseher auf wachsende Sorgen, dass immer mehr Jugendliche eine Spielsucht entwickeln können, hieß es zur Begründung.

Mit Informationen von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. September 2021 um 16:45 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 03.09.2021 • 01:11 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Schließung der Kommentarfunktion Sehr geehrte User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation