Xi Jinping | REUTERS

Rede von Staatspräsident Xi China ruft Taiwan zu "Wiedervereinigung" auf

Stand: 09.10.2021 11:20 Uhr

Immer deutlicher hatte die Führung in Peking Taiwan zuletzt mit einer militärischen Intervention gedroht. Nun rief Chinas Präsident Xi den Inselstaat zur "Wiedervereinigung" auf - und erntete eine erwartbare Reaktion.

Mitten in verschärften Spannungen um Taiwan hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einer "Wiedervereinigung" aufgerufen. Eine Vereinigung mit "friedlichen Mitteln" diene am besten den Interessen der gesamten chinesischen Nation, sagte der Präsident bei einer Feier in der Großen Halle des Volkes. Anlass war der 110. Jahrestag der Revolution von 1911, auf die sich sowohl China als auch Taiwan berufen. "Die Unabhängigkeit Taiwans ist das größte Hindernis für die Wiedervereinigung des Mutterlandes und eine ernsthafte versteckte Gefahr", sagte Xi.

Taiwan weist Aufruf entschieden zurück

Taiwan wies den Aufruf zurück: Taiwan sei ein "souveränes und unabhängiges Land und nicht Teil der Volksrepublik China", sagte der Sprecher von Präsidentin Tsai Ing-wen in Taipeh. Bei der Revolution von 1911 sei eine "demokratische Republik, nicht eine autoritäre Diktatur" gegründet worden. Auf Taiwan sei diese Demokratie "wahrhaftig verwirklicht" worden. Der Sprecher bezog sich auf die damals nach dem Sturz der Qing-Dynastie in Peking gegründete Republik China, wie sich Taiwan auch heute noch offiziell nennt.

Der für die China-Politik zuständige Rat für Festlandsangelegenheiten forderte Peking auf, "provokative Schritte des Eindringens, der Belästigung und der Zerstörung aufzugeben" und Gespräche wieder aufzunehmen.

Peking droht mit militärischer Eroberung

Taiwan regiert sich selbst, nachdem 1949 die Kommunisten unter Führung von Mao Tsetung die in China regierenden Nationalisten auf den Inselstaat vertrieben hatten. Taiwan hat sich seit den 1980er-Jahren zu einer lebendigen Demokratie entwickelt. Peking sieht Taiwan aber weiterhin als Teil der 1949 gegründeten Volksrepublik an und droht mit einer gewaltsamen Eroberung. Vergangene Woche schickte die Volksrepublik 149 Flugzeuge in Richtung Taiwan, bei der größten Aktion dieser Art waren es 52 Maschinen auf einmal.

Xi warnte zudem vor einer ausländischen Einflussnahme: "Die Taiwan-Frage ist eine rein innere Angelegenheit Chinas, die keine Einmischung von außen zulässt." China hatte angesichts der heimlichen Ausbildung von Truppen in Taiwan durch US-Spezialkräfte am Freitag vor einem "schweren Schaden" für die Beziehungen zu den USA gewarnt. Nach Angaben aus dem Pentagon trainiert ein Kontingent von etwa 20 US-Soldaten seit mehreren Monaten taiwanische Armee- und Marineangehörige.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.