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Nukleare Abschreckung China baut neue Raketensilos

Stand: 27.07.2021 09:28 Uhr

Im Vergleich zu den USA und Russland hat China nur wenige Atomsprengköpfe, doch nun scheint das Land sein Arsenal erweitern zu wollen. US-Experten haben neue Baustellen für Raketensilos in Xinjiang entdeckt.

China hat möglicherweise mit einer deutlichen Ausweitung seines Atomwaffenarsenals begonnen. Nachdem sie bereits im Juni ein Gelände mit im Bau befindlichen Raketensilos bei Yumen in der Provinz Gansu entdeckten, haben Atomexperten der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS) mit Hilfe von Satellitenaufnahmen nahe Hami in der Nordwestregion Xinjiang ein zweites Baufeld ausfindig gemacht.

Etwa 230 neue Silos

"Der Bau der Silos in Yumen und Hami stellt die bisher bedeutendste Expansion des chinesischen Atomwaffenarsenals dar", schrieben die Atomexperten in ihrem veröffentlichten Bericht. Die Arbeiten an dem zweiten Gelände in Hami rund 380 Kilometer nordwestlich von dem ersten Feld in Yumen hätten im März begonnen und seien noch nicht so weit vorangeschritten.

Kuppelhallen überdecken den Blick auf vorerst 14 Baustellen, wie auf den Fotos zu sehen ist. Anhand der Vorbereitungsarbeiten an dem Komplex schätzen die Wissenschaftler, dass es ein Raster von ungefähr 110 Silos werden soll. Das erste Feld wird auf 120 Silos geschätzt. Es ist allerdings unklar, ob alle Silos mit Raketen bestückt werden oder einige der Täuschung dienen sollen.

China besitzt nach FAS-Schätzungen heute rund 350 Atomsprengköpfe. 2020 sprach das Pentagon von einer Zahl "im unteren 200er-Bereich", erwartete da aber auch schon eine Verdoppelung in den kommenden zehn Jahren. Chinas Arsenal ist damit allerdings deutlich kleiner als das der USA oder Russlands, die jeweils 4000 Atomsprengköpfe haben.

Erhöhung des Abschreckungspotenzials

Hinter dem Bau der Raketensilos könnten nach Einschätzung der Experten verschiedene Motive der Führung von Staats- und Parteichef Xi Jinping stecken. Es könnte unter anderem eine Reaktion auf die Modernisierung der Atomstreitkräfte der USA, Russlands und Indiens sein, meinten die Experten. Auch könnte China besorgt sein, dass seine bisherigen Silos leicht angreifbar sind. Sie lägen in Reichweite konventioneller Marschflugkörper der USA, während Yumen und Hami weiter im Landesinneren sind. Indem die Zahl der Silos erhöht werde, verbessere sich auch die Fähigkeit, zurückschlagen zu können.

Die Wissenschaftler sprachen zudem von einem Umstieg bei neueren Raketen von Flüssig- auf Festtreibstoff, der die Reaktionszeit verkürze, da diese nicht mehr aufgetankt werden müsse. Auch sorge sich Peking um die Raketenabwehr der USA, die die Fähigkeit zu einem angedrohten Vergeltungsschlag untergrabe - und damit Chinas Abschreckungspotenzial. Bisher betreibe China ein kleines Atomwaffenarsenal, das für eine "minimale Abschreckung" ausreichen soll.

Peking könnte aber zu dem Schluss gekommen sein, das Bedrohungspotenzial ausweiten zu müssen. Offiziell beteuert China immer, auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verzichten zu wollen. Seit den späten 1990er-Jahren versuchen die USA vergeblich, China dazu zu bewegen, sich internationalen Rüstungskontrollverhandlungen anzuschließen.