Ein Mann in einem Schutzanzug steht inmitten leerer Straßen in einem abgesperrten Gebiet im Bezirk Jingan im Westen von Shanghai. | dpa

Corona-Lockdown Shanghai will vorsichtig lockern

Stand: 16.05.2022 11:37 Uhr

In Shanghai haben die Behörden nach einem wochenlangen Corona-Lockdown allmähliche Lockerungen in Aussicht gestellt. Doch die Lage bleibt angespannt - und eine Abkehr der chinesischen Null-Covid-Strategie ist nicht zu erwarten.

Die chinesische Metropole Shanghai hat die Ausbreitung des Coronavirus nach Angaben der Behörden in weiten Teilen gestoppt. Derzeit gelte noch für weniger als eine Million Menschen ein strenger Lockdown, sagte Vize-Bürgermeisterin Zong Ming. Die Epidemie in unserer Stadt ist unter wirksamer Kontrolle", sagte Zong bei einer Pressekonferenz. "Die Präventionsmaßnahmen haben schrittweise Erfolge erzielt."

In 15 von 16 Stadtteilen seien außerhalb der Quarantänegebiete keine weiteren Corona-Fälle aufgetreten, so Zong. Es bestehe jedoch weiterhin das Risiko, dass der Ausbruch sich vergrößere. Der stellvertretende Bürgermeister forderte die Menschen zur Kooperation auf, um zu einem normalen Leben zurückkehren zu können.

Schrittweise Öffnung bis Anfang Juni

Nach einem wochenlangen strengen Lockdown könnten in Shanghai nun Einkaufszentren und Friseursalons wieder öffnen, sagte der Vize-Bürgermeister. Kaufhäuser und Supermärkte sollten Kundinnen und Kunden in "geordneter Weise" das Einkaufen ermöglichen. Auch Restaurants dürfen demnach wieder öffnen, allerdings mit einer begrenzten Anzahl von Gästen. Schulen sollen schrittweise den Präsenzunterricht wieder aufnehmen.

Die Bewegungsfreiheit in der Stadt bleibt jedoch nach wie vor eingeschränkt, um Risiken eines erneuten Ausbruchs zu verhindern. Die U-Bahnen fahren bislang nicht. Die Finanzmetropole soll nach Angaben der Regierung schrittweise bis zum 1. Juni zur Normalität zurückkehren.

Mehr als 50 Tage im Lockdown

In Shanghai stehen die Menschen teilweise seit mehr als 50 Tagen unter einem Lockdown. Anfang April hatten die Behörden aufgrund eines Ausbruchs der Omikron-Variante des Coronavirus drastische Einschränkungen in der Stadt verhängt, die die Versorgung der rund 25 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mit frischen Lebensmitteln massiv erschwerten und sich auf globale Lieferketten auswirkten.

Die Zahl der täglichen Neuansteckungen mit dem Coronavirus in der Stadt sank zuletzt auf 1369. Ende April hatte sie noch bei über 25.000 gelegen. Dennoch setzten die Behörden in China auch weiterhin auf eine strikte Null-Covid-Strategie und strengen Anti-Corona-Maßnahmen mit der Begründung, sie wolle so viele Leben wie möglich retten. Änderungen an diesem Vorgehen werden kurzfristig nicht erwartet.

Wen lügt ihr an?

Viele Bürgerinnen und Bürger Shanghais reagierten skeptisch auf angekündigten Lockerungen. "Wen lügt ihr an? Wir können nicht einmal unser Grundstück verlassen", schrieb ein Nutzer beim chinesischen Twitter-Pendant Weibo.

Und auch in der Metropole Changchun in der Provinz Jilin stecken weiterhin Millionen Menschen in Lockdowns und dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen. In der Hauptstadt Peking sind zahlreiche Nachbarschaften abgeriegelt. Die meisten Geschäfte und viele U-Bahnhöfe sind geschlossen. Millionen Menschen müssen im Homeoffice arbeiten.

Die Regierung wies zudem alle Städte an, Teststellen einzurichten, die von den Bürgerinnen und Bürgern innerhalb von 15 Minuten zu Fuß zu erreichen seien. Allein in Shanghai arbeiten inzwischen mehr als 5700 solcher Testzentren, weitere 4200 sind geplant, wie staatliche Medien berichteten.

Corona-Beschränkungen bremsen Chinas Wirtschaft

Diese strikten Corona-Beschränkungen haben auch Folgen für die Wirtschaft des Landes. Die Industrieproduktion fiel im April überraschend, auch die Einzelhandelsumsätze brachen ein. "Der Covid-Ausbruch im April hatte große Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber die Folgen werden kurzfristig sein", sagte ein Sprecher des chinesischen Statistikamts.

Die Zahlen für April deuteten nach Ansicht von Fachleuten darauf hin, dass der Abschwung in diesem Jahr insgesamt stärker ausfällt als erwartet. "Die Daten für die Aktivitäten im April haben den Schaden durch die Lockdowns in Shanghai und anderen Teilen des Landes offengelegt", hieß es in einer Analyse der Finanzagentur Bloomberg. "Die Auswirkungen sind viel breiter und tiefer als erwartet."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. Mai 2022 um 04:55 Uhr.