Ein Foto des Internationalen Olympische Komitees (IOC) zeigt, wie IOC-Präsident Thomas Bach einen Videoanruf mit der Tennisspielerin Peng Shuai tätigt. | AFP

Bach und der Fall Peng Ein Gespräch, das Fragen aufwirft

Stand: 22.11.2021 08:03 Uhr

Chinas Staatsmedien haben eine Video-Offensive gestartet, um der Welt vermeintlich zu beweisen, dass es der vermissten Tennisspielerin Peng gut geht. Für die Kampagne wurde auch der Chef des IOC eingespannt.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der Fall der in China verschwundenen Profi-Tennisspielerin Peng Shuai weitet sich zu einem internationalen Politikum aus. Die Regierungen Großbritanniens und der USA haben Chinas Staatsführung aufgefordert, sicherzustellen, dass es der 35-Jährigen gut geht.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Die staatlichen Auslandsmedien Chinas haben das Wochenende über versucht, den Fall Shuai mit vermeintlichen Beweisvideos aus der Welt zu schaffen. So zeigten sie Aufnahmen der scheinbar fröhlichen Shuai bei einem Kinder-Tennis-Turnier und bei einem Essen mit Bekannten in einem Restaurant.

Tennisverband droht mit Abbruch der Beziehungen

Die Art und Weise, wie die Videos geschnitten sind, weisen allerdings Merkwürdigkeiten auf. Auch die Dialoge wirken einstudiert. Entsprechend voller Zweifel zeigte sich der Frauentennis-Weltverband WTA. Es bleibe unklar, ob Peng frei sei und ob sie ihre eigenen Entscheidungen wirklich treffen könne, erklärte WTA-Präsident Steve Simon.

Der Verband hat offen damit gedroht, alle Beziehungen zur Volksrepublik China abzubrechen, auch wenn das große finanzielle Verluste bedeuten würde.

Kritik an IOC-Präsident Bach für Videoschalte

Auf demonstrative Zusammenarbeit mit Chinas Führung im Fall Peng setzt hingegen das Internationale Olympische Komitee (IOC). Präsident Thomas Bach habe eine halbe Stunde lang mit ihr per Videoschalte gesprochen, erklärte das IOC. Peng habe versichert, dass es ihr gut gehe, zur Zeit aber wolle sie nicht gestört werden.

Internationale Beobachter gehen davon aus, dass sich das IOC von Chinas Sicherheitsbehörden hat einspannen lassen. Eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch reagierte empört, sie nannte das Vorgehen des deutschen IOC-Chefs eine "völlig neue Form der Kollaboration" mit Chinas Führung.

Peng hatte Anfang November Chinas früheren Vize-Regierungschef Zhang Gaoli des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Seitdem ist die Wimbledon-Doppelsiegerin von 2013 nicht mehr öffentlich gesehen worden. Alles, was mit dem Fall zu tun hat, wird innerhalb Chinas vollständig verschwiegen und zensiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2021 um 19:33 Uhr.