Polizisten befragen eine Journalisten in Peking, als vor einem Spionage-Prozess gegen einen Australier Aufnahmen machen will. | AFP

Vor Winterspielen in Peking Journalisten unerwünscht

Stand: 03.11.2021 18:36 Uhr

Beschimpfungen, Drohungen, Zutrittsverbot - Drei Monate vor den Olympischen Winterspielen in Peking ist die Berichterstattung für ausländische Medien schwierig. Der Ausländische Presseclub hat nun Beschwerde eingereicht.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Die Ankunft des Olympischen Feuers in Peking vor zwei Wochen. Bei der Veranstaltung sind nur wenige ausländische Journalisten anwesend. Der Grund: Sie wussten schlicht nichts von dem Termin, haben erst kurzfristig davon erfahren oder wurden nicht reingelassen.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Keine Ausnahme, sondern die Regel, sagt der Foreign Correspondents Club in China (FCCC). Der Presseclub hat seine Mitglieder nach Erfahrungen in der Olympia-Vorberichterstattung befragt und entsprechende Zitate veröffentlicht. Um auszuschließen, dass Journalistinnen und Journalisten Konsequenzen von chinesischer Seite zu befürchten haben, sind die Aussagen anonym.

Keine kritische Berichterstattung

So beklagt ein Reporter eines Internationalen Senders: "Wir haben einen Fernsehbericht gemacht mit Material von einem Austragungsort, das wir während eines organisierten Pressebesuchs gedreht haben. In dem Bericht erwähnten wir Aufrufe, die Spiele wegen Menschenrechtsverletzungen zu boykottieren." Kurz danach habe ihn der Organisator des Pressetermins angerufen und ihn auf Englisch und Chinesisch beschimpft, erzählt er weiter. "Er drohte mir, dass wir keine Einladungen mehr bekommen werden - seitdem haben wir auch keinen Zugang mehr erhalten.“

In einem Beschwerdebrief an das Internationale Olympische Komitee (IOC) und an das örtliche Organisationsteam (BOCOC) beklagt der Presseclub nun, dass ausländische Journalistinnen und Journalisten nur sehr eingeschränkt Zugang zu Terminen bekommen, die mit den bevorstehenden Winterspielen zu tun haben. Das gilt etwa für Pressekonferenzen und Olympia-Testläufe oder auch den einfachen Zugang zu Austragungsorten und den Olympischen Dörfern.

Schon die Einreise ist schwierig

Auch der Kontakt zu chinesischen Offiziellen, Sportlerinnen und Sportlern sowie Trainern sei so gut wie unmöglich. Anfragen würden häufig gar nicht beantwortet und wenn, dann oft negativ. Ausländische Medienschaffende sind nach Angaben des FCCC in China auch mehrfach von Polizisten eingeschüchtert und an ihrer Arbeit gehindert worden.

Neben den Schwierigkeiten im Land, ist es derzeit auch in den meisten Fällen nicht möglich, Verstärkung aus dem Ausland einzufliegen. Hintergrund ist, dass China nur sehr wenige Flüge aus dem Ausland zulässt und kaum Visa ausstellt. Begründet wird dies mit der extrem strikten Null-Covid-Politik der Volksrepublik.

Eine abgeschirmte Blase

Neben den Einschränkungen im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in China beklagt der Presseclub FCCC auch, dass bis heute unklar ist, wie genau die Berichterstattung während der Spiele ablaufen soll. Klar ist, wegen der strikten Covid-Maßnahmen, werden die Winterspiele im Februar in einer vom Rest des Landes komplett abgeschirmten sogenannten Blase stattfinden.

Auch Journalistinnen und Journalisten werden Teil davon sein. Unklar ist nach wie vor, ob es möglich sein wird, die Blase auch zu verlassen und wenn, unter welchen Umständen. Auch wie ausländische Medienschaffende ins Land kommen und wo sie untergebracht werden, ist nach wie vor nicht bekannt.

Sport als Propaganda

Kritiker werfen Chinas Führung vor, mit dieser Praxis verhindern zu wollen, dass negativ über das Land berichtet wird. Die Staatsführung politisiere die Olympischen Spiele, obwohl sie immer wieder das Gegenteil behaupte.

Gerade in autoritär regierten Ländern wie China werde der Sport politisiert, meint der chinesische Bürgerrechtler und Jurist Teng Biao, der im US-Exil lebt. China trage die Olympischen Spiele nicht aus, weil die Kommunistische Partei Sport so gerne möge, sondern weil es sich um ein mächtiges Propagandawerkzeug handele. Und die Partei nutze die Spiele, um sich politische Legitimität zu verschaffen.

Journalismus komplett auf Linie

Die Schwierigkeiten bei der Berichterstattung überraschen die wenigsten Journalistinnen und Journalisten in China. In der Volksrepublik herrscht keine Meinungs- und Pressefreiheit. Chinesischer Journalismus ist komplett auf Linie mit der Staats- und Parteiführung. Ausländische Journalisten werden seit Jahren bei ihrer Arbeit behindert.

Zusätzlich dazu stehen Chinas Presse-Einschränkungen im Widerspruch zur Olympischen Charta. Auch darauf weist der FCCC hin. Nach Regel 48 müssen alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um eine "möglichst vollständige Berichterstattung durch die verschiedenen Medien und das größtmögliche Publikum weltweit zu erreichen."

In einer ersten Stellungnahme hat das Internationale Olympische Komitee mitgeteilt, es werde die Kritik aufgreifen und die Anliegen mit dem nationalen Organisationskomitee besprechen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Sport am Wochenende" am 02. Oktober 2021 um 19:28 Uhr.