Pendler in Peking während eines Sandsturmes | dpa

Mehrere Tote Sandsturm trifft China und Mongolei

Stand: 15.03.2021 14:55 Uhr

Der schwerste Sandsturm seit zehn Jahren ist über die Mongolei und China gefegt. Sechs Menschen starben, der Smog erreichte in Peking gefährliche Werte. Umweltaktivisten sprechen von einer "ökologischen Krise".

Von Ruth Kirchner, ARD Studio Peking

Fernsehbilder aus der Mongolei zeigten gigantische dunkle Sand- und Staubwolken, die über Siedlungen rollten. Strommasten stürzten um, im Westen des Landes gab es Stromausfälle. Die Katastrophenschutzbehörde in Ulan Bator sprach laut Medienberichten von mindestens sechs Toten und Dutzenden Vermissten.

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

Auch im benachbarten Nordchina fegte der Sandsturm über zwölf Provinzen hinweg. Das Phänomen ist für die Region nicht ungewöhnlich. Im Frühjahr tragen kräftige Winde Sand und feinen Staub aus der Wüste Gobi über das Land. Diesmal handele sich aber sowohl um den stärksten Sandsturm seit zehn Jahren als auch um den mit der größten Ausdehnung, gab das chinesische Wetteramt bekannt.

Flüge mussten gestrichen werden

In der 20-Millionen-Metropole Peking verdeckten Staub und Sand die Sicht auf die Wolkenkratzer. Die Behörden wiesen die Menschen an, Fenster geschlossen zu halten. Passanten schützten sich mit Masken und Tüchern vor der staubigen Luft.

"Es sieht aus wie der Weltuntergang", sagte eine junge Frau über die Großstadt, die wegen des Staubs in ein gelblich-graues Licht getaucht war. Man fühle sich ein bisschen wie in einem Science-Fiction-Film, sagte ein anderer Passant.

Die Sicht in Peking lag teilweise bei unter 1000 Metern. Über 400 Flüge mussten gestrichen werden. Die Feinstaubkonzentration in der Luft erreichte gefährliche Werte und lag ein Vielfaches über den von der WHO empfohlenen Grenzwerten.

Besonders der Norden ist betroffen

Die Luftqualität in Peking und anderen Städten Nordchinas war jedoch auch in den Tagen vor dem Sandsturm bereits sehr schlecht. Wegen des Wirtschaftsaufschwungs nach dem Corona-bedingten Einbruch im letzten Jahr läuft die Industrieproduktion wieder auf Hochtouren.

"In Peking kann man sehen, wie eine ökologische Krise aussieht", twitterte Li Shuo von der Umweltorganisation Greenpeace China. Der industrielle Norden Chinas sei durch den Sandsturm, den Smog und den Klimawandel besonders betroffen.

Abkehr vom Kohlestrom?

Zhou Jinfeng von der Stiftung für Umweltschutz und grüne Entwicklung in Peking rief zum Umdenken auf. "Zusammen mit der Pandemie ist das jetzt eine weitere Lehre, dass wir unser Verhalten ändern müssen", sagte er.

Mit großen Baumpflanzaktionen in Nordchina versucht die Volksrepublik seit Jahren die Ausbreitung der Wüsten zu verhindern und Sandstürme einzudämmen. Aktivisten fordern mehr Umweltschutz und vor allem eine Abkehr von der Kohleverstromung, die nach wie vor rund zwei Drittel von Chinas Energiebedarf deckt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. März 2021 um 14:33 Uhr.