Xi Jinping bei einer Rede zum hundertjährigen Bestehen der Kommunistischen Partei Chinas. | EPA

Xis Rede zu 100 Jahren KP "Wiedergeburt der chinesischen Nation"

Stand: 01.07.2021 10:46 Uhr

In China feiert die Staatsführung den 100. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Partei. Staatschef Xi Jinping unterstrich bei einer Festrede in Peking den absoluten Führungsanspruch der Partei.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

In den vergangenen einhundert Jahren habe die Kommunistische Partei das chinesische Volk geeint und geführt, sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping in seiner gut einstündigen Festrede zum 100. Geburtstag der KP. Trotz aller Kämpfe, trotz aller Opfer diene diese Mission letztlich einem Ziel: der "Wiedergeburt der chinesischen Nation". Ohne den absoluten Führunganspruch der KP auf alle Lebensbereiche der Chinesinnen und Chinesen sei diese Wiedergeburt der Nation nicht möglich, das machte Xi mehrmals deutlich.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Für die Geburtstagsfeier hatte die Staatsführung den Platz am Tor des Himmlischen Friedens im Zentrum der chinesischen Hauptstadt Peking aufwändig schmücken lassen: mit großen Blumenbeeten, roten Flaggen und goldenen Hammer-und-Sichel-Symbolen. Rund 70.000 Menschen waren zur Feier eingeladen worden, darunter Soldaten, Schulklassen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter staatlicher Betriebe und Parteigenossen im Ruhestand. Chöre sangen Kampflieder der KP. Vor der Rede des Staats- und Parteichefs waren Kampfjets und Militärhubschrauber über den Platz geflogen, Kanonen feuerten Salutschüsse ab.

Ein Luftballonschwarm steigt über dem Tiananmen-Platz während einer Feierstunde auf. | EPA

Der festlich geschmückte Tiananmen-Platz in Peking. Bild: EPA

"Große Mauer aus Stahl"

Das chinesische Volk habe sich erhoben, betonte Xi. Ans Ausland gerichtet sagte er zwar einerseits, dass China keine aggressiven oder hegemonialen Absichten hege. Andererseits schlug Chinas Staatschef aber auch nationalistische Töne an: Man werde niemals zulassen, dass fremde Mächte das chinesische Volk tyrannisierten, unterdrückten oder versklavten. Wer immer so etwas versuche, werde ein - wörtlich - Blutvergießen erleben, "ein Blutvergießen an einer Großen Mauer aus Stahl", die aus "Fleisch und Blut" von mehr als 1,4 Milliarden Chinesen gebaut worden sei. An dieser Stelle bekam Xi besonders großen Jubel und Applaus.

Im ganzen Land wurde Xis Rede auf großen Bildschirmen übertragen, wie hier in Peking. | REUTERS

Im ganzen Land wurde Xis Rede auf großen Bildschirmen übertragen, wie hier in Peking. Bild: REUTERS

Kein Wort über Verbrechen

Die chinesische KP wurde am 23. Juli 1921 in Shanghai gegründet. Seit Oktober 1949 regiert sie das bevölkerungsreichste Land der Welt in Alleinherrschaft. Xi hat nach seinem Amtsantritt Ende 2012 den Einfluss der KP auf Staat, Gesellschaft und Wirtschaft deutlich ausgebaut.

In den vergangenen Jahren habe sich die Kommunistische Partei Chinas zu einer extrem nationalistischen und faschistoiden Partei entwickelt, sagt der Politologe Wu Qiang im Gespräch mit der ARD. Er unterrichtete früher an der Tsinghua-Universität in Peking, wurde dann aber wegen seiner offen kritischen Haltung gegenüber der KP entlassen.

Während die Parteiführung Erfolge wie Armutsbekämpfung und den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas in den vergangenen Jahrzehnten betont, verweisen Kritiker auf die vielen Millionen Menschenleben, die Chinas KP auf dem Gewissen hat. Diese vielen dunklen Seiten der Parteigeschichte spielen während der 100-Jahr-Feierlichkeiten allerdings keine Rolle in China.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 06:44 Uhr.

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KOMMENTARE

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Eduart de Machina 01.07.2021 • 17:47 Uhr

re 16:55 von Der Lenz

Deswegen spricht Marx als von einer Übergangsperiode, in der es gilt, solche und andere Momente, in Verbindung mit Fragen des revolutionären Bewusstseins zu überwinden. So habe ich diese Sache bei ihm und anderen verstanden. Ich sehe das nicht so mechanisch, nur eine Diskussionsgrundlage.