Zwei Männer testen Kinder an einer Pekinger Schule auf Corona | EPA

Peking schließt Schulen Zahl der Corona-Fälle in China steigt

Stand: 21.11.2022 14:08 Uhr

Chinas Hauptstadt Peking kehrt zum Online-Unterricht zurück, in anderen Teilen des Landes gilt für Millionen Menschen ein Lockdown: Die Infektionszahlen steigen weiter und nähern sich den Höchstständen.

Nach fast drei Jahren Null-Covid-Politik sah es zuletzt in China etwas nach Lockerungen aus. Doch aktuell steigen die Fallzahlen wieder deutlich an. Am Morgen meldete die Nationale Gesundheitskommission 27.095 Neuinfektionen. Am Tag davor waren es noch 24.435. Der bisherige Höchststand wurde im April 2022 mit rund 28.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages erreicht.

Zum ersten Mal seit Ende Mai wurden am Wochenende auch wieder Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus in der chinesischen Hauptstadt registriert. Insgesamt drei Menschen starben demnach an dem Virus. Sie sind nach Angaben der Gesundheitskommission die ersten Todesopfer seit Ende Mai.

In mehreren Pekinger Bezirken begann deshalb die Schule am Montag im Online-Unterricht, im Diplomatenviertel Chaoyang wurden 3,5 Millionen Menschen aufgefordert, das Haus nicht zu verlassen.

Millionen Menschen wieder im Lockdown

Ein aktueller Schwerpunkt der Neuinfektionen in China ist den Behörden zufolge Guangzhou in der Provinz Guangdong. Allein hier wurden 9085 Neuinfektionen gemeldet. Die Konsequenz für einen Teil der 15 Millionen Einwohner in der Metropole ist ein Lockdown - vorerst für eine Woche. Knapp vier Millionen Menschen sind davon betroffen.

All das geschieht nun im Schatten zaghafter Zeichen in Richtung Lockerungen und mit einer Impfquote von rund 90 Prozent - wobei einerseits die Wirksamkeit der chinesischen Vakzine gegen die Omikron-Variante als unzureichend gilt und gleichzeitig vor allem die deutlich geringere Impfquote bei den Älteren eine Abkehr von der bisherigen Null-Covid-Politik erschwert. Dennoch wurde bereits die Quarantäne bei der Einreise auf fünf Tage verkürzt, die Teststrategie soll zielgerichteter werden. Weniger Massentests, mehr Freiheiten, so lautet eigentlich die Devise.

Auch Analysten zweifeln aber Chinas tatsächliche Bereitschaft an, sich zu öffnen. "Aus epidemiologischer und politischer Sicht glauben wir nicht, dass das Land schon bereit ist, sich zu öffnen", hieß es von Oxford Economics.

Schlingerkurs bremst Wirtschaft aus

Vergangene Woche erst hatten einige Städte damit begonnen, die routinemäßigen Corona-Tests zu streichen. Nun die Rolle rückwärts: Shijiazhuang, eine der Metropolen, die als Testfeld für Lockerungen gehandelt wurde, kündigte nun doch wieder Massentestungen an. Im Angesicht der noch bevorstehenden ersten Omikron-Welle dieses Winters werden es voraussichtlich nicht die letzten sein.

Den asiatischen Märkten und Chinas Handelspartnern bereitet die Lage zunehmend Kopfzerbrechen. Die steigenden Infektionszahlen und daraus resultierenden neuen Lockdowns drücken am Morgen deutlich auf die Aktienkurse. Der Hongkonger Hang Seng Index verlor zwischenzeitlich zwei Prozent und auch an den europäischen Börsen rutschten die Kurse ins Minus.

Chinas Corona-Politik wirkt bis nach Deutschland

Aber auch für die deutsche Wirtschaft bedeuten fortwährende Lockdowns in China Hindernisse und führen zu Produktionseinbußen. Es fehlen Bauteile und Produkte für hiesige Fabriken. Zudem sinkt in einigen Bereichen die Nachfrage chinesischer Kunden. So exportierten im Vergleich zum Vorjahresmonat deutsche Firmen im Oktober gut acht Prozent weniger in die Volksrepublik, wie das Statistische Bundesamt am Morgen mitteilte.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 10. November 2022 um 09:20 Uhr.