Ein Container mit Impfstoffen gegen die Coronavirus-Krankheit (COVID-19) der chinesischen Firma Sinovac Biotech wird am Flughafen verladen. | AP

Chinesische Vakzine Mit Impfstoff das Image verbessern?

Stand: 10.03.2021 04:01 Uhr

China liefert seine Covid-19-Impfstoffe in alle Welt, vornehmlich in Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Lieferbereitschaft ist wohl nicht ganz ohne Hintergedanken.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzt. Berlin

Es sind fast immer die gleichen Bilder: Ein Flugzeug landet, Kisten und Container mit chinesischen Impfstoffen werden ausgeladen und ein Regierungschef oder eine Regierungschefin tritt vor die Kameras. "Wir können jetzt tausende Leben retten", sagte etwa im Februar die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabić. "Mir fehlen die Worte, um meine Dankbarkeit gegenüber China auszudrücken."

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

Andere Regierungschefs oder Staatsoberhäupter lassen sich vor laufenden Kameras mit chinesischen Vakzinen impfen - ob das Teil der Absprachen mit Peking ist, ist nicht bekannt. Klar ist, China liefert Covid-Impfstoff in alle Welt.

China zeigt sich wohltätig

"China hat 69 Entwicklungsländern Impfdosen gespendet", sagt Außenminister Wang Yi, "und exportiert Impfstoffe in 43 Länder." Chinas Chef-Diplomat betont auch, dass die Impfstoff-Lieferungen ohne Hintergedanken erfolgten. Corona-Impfstoffe seien ein öffentliches Gut - das habe China als eines der ersten Länder deutlich gemacht.

Neben China liefern auch Russland und Indien Impfstoffe in Entwicklungs- und Schwellenländer. Aber vor allem China betreibe großen propagandistischen Aufwand rund um die Lieferungen und wolle damit auch sein Image aufpolieren, das im Zuge der Pandemie und der Masken-Diplomatie im letzten Jahr einige Kratzer bekommen hat, sagt Grzegorz Stec. Er ist China-Experte beim Berliner Think Tank Merics. "China ist sehr erpicht darauf, die Wahrnehmung zu ändern - China nicht mehr als das Land, in dem die Pandemie ihren Ausgang nahm und wo man im Umgang damit anfangs Fehler gemacht hat, sondern China als das Land, das effektiv handelt und bedürftigen Ländern hilft."

Mehr Einfluss durch Impflieferungen?

Mittlerweile hat die Volksrepublik der Welt schätzungsweise eine halbe Milliarde Impfdosen zugesagt, zehnmal mehr als im eigenen Land bislang verabreicht wurden. Unklar ist, ob damit Gegenleistungen verbunden sind oder Zusagen, sich mit Kritik an Peking - etwa in Menschenrechtsfragen - zurückzuhalten.

Aber die Wirkung der Impfdiplomatie sei eher langfristig, sagte Markus Taube, China-Fachmann an der Universität Duisburg, vor wenigen Tagen bei einem Online-Vortrag beim Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München. "China nutzt das als ein politisches Instrument zum Erwerb von Einfluss, von Goodwill und zur Ebnung des Zugangs in der Zukunft."

Hoffnung auf mehr Absatz

Aber die Impfstoffe sind nicht überall vorbehaltlos willkommen, sie sind manchmal nur zweite Wahl. Chinesische Produkte kämpfen - etwa in Afrika - mit Imageproblemen. Auch daran hoffe China mit seiner Impfdiplomatie etwas zu ändern, sagt Grzegorz Stec von Merics. "Wenn China es schafft, vielleicht nicht in Europa, aber in Entwicklungsländern eine Marktposition zu erringen, Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu gewinnen, dann könnten lukrative Geschäfte für chinesische Pharmafirmen folgen."

Noch keine Zulassung in Europa

In Europa hat Peking bislang ganz eigene Probleme mit seinen Impfstoffen. Serbien hat Zusagen für rund zwei Millionen chinesische Impfdosen. Montenegro erhielt eine Spende von 30.000 Dosen. Das Europa-skeptische Ungarn hat fünf Millionen Dosen aus China bestellt. Dabei haben die chinesischen Impfstoffe bislang keine Zulassung für den gesamt-europäischen Markt. Chinesische Pharmafirmen hätten bislang keine Anträge gestellt, heißt es bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA auf Anfrage. Und die Daten zu den chinesischen Vakzinen sind weiter lückenhaft.

Aber, sagen die Experten, es mache wenig Sinn mit dem Finger auf China zu zeigen. Vielmehr müssten die Europäer nach ihren finanziellen Zusagen etwa für die Balkanländer und für die Impfstoff-Initiative Covax jetzt zeigen, dass sie China bei der Impfstoff-Versorgung der Welt nicht das Feld überlassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. März 2021 um 05:25 Uhr.