Chinesische Flagge (Archivbild) | dpa

Bericht über Hyperschallprogramm "Es war ein Raumschiff, keine Rakete"

Stand: 18.10.2021 14:41 Uhr

China hat einen Bericht dementiert, wonach das Land eine für Atomwaffen geeignete Hyperschallrakete getestet haben soll. "Es war ein Raumschiff, keine Rakete", so ein Sprecher. In den USA fürchtet man um die Wirksamkeit der Raketenabwehr.

China hat nach eigenen Angaben ein neues Raumschiff mit wiederverwendbarer Technologie getestet. Einen Zeitungsbericht über einen angeblichen Versuch mit einer atomwaffenfähigen Hyperschallrakete dementierte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Zhao Lijian, dagegen: "Es war ein Raumschiff, keine Rakete." Er sprach von einem "Routinetest".

Es habe sich um eine Raumfahrttechnologie gehandelt, die eine "bequeme und billige Möglichkeit" für die Menschen sein könnte, "den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen", sagte Zhao. "Viele andere Länder und Unternehmen nehmen ähnliche Tests vor." Überreste des Raumschiffes seien ins Ostchinesische Meer gefallen. Weitere Details nannte der Sprecher nicht.

Gefahr für US-Raketenabwehrsysteme

Die britische Zeitung "Financial Times" hatte am Samstag unter Berufung auf fünf anonyme Quellen hingegen berichtet, dass China im August einen Hochgeschwindigkeitsgleitkörper mit einer Rakete des Typs "Langer Marsch" ins All geschickt habe. Im Weltraum sei das Geschoss bei niedriger Umlaufbahn einmal um den Globus gekreist, ehe sie das anvisierte Ziel um etwa 15 Kilometer verfehlt habe. Es wurde als Beleg gewertet, dass Chinas Militär mit seinem Hyperschallwaffenprogramm weit fortgeschrittener sei, als US-Geheimdienste bisher angenommen hatten.

Mike Gallagher, Abgeordneter im US-Kongress, wertete den Bericht als Weckruf. "Dieser Test sollte als Aufruf zum Handeln dienen", sagte der Republikaner. "Wenn wir an unserem derzeitigen untätigen Kurs festhalten, werden wir den Neuen Kalten Krieg mit dem kommunistischen China innerhalb dieses Jahrzehnts verlieren."

Nach Einschätzung Gallaghers verfügt China zunehmend über Fähigkeiten, die Raketenabwehr der USA zu untergraben und gar mit Atomschlägen zu bedrohen. Der Republikaner vertritt den US-Bundesstaat Wisconsin im Repräsentantenhaus und sitzt dort im wichtigen Ausschuss zu den US-Streitkräften.

Hyperschallraketen schwer abzufangen

Hyperschallraketen sind besonders schwer abzufangen, da sie mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen können, also etwa 6200 Kilometer pro Stunde. Wie ballistische Raketen können Hyperschallraketen Atomwaffen tragen. Während ballistische Raketen jedoch in einem hohen Bogen durch den Weltraum fliegen, bleiben Hyperschallraketen in einer niedrigen Umlaufbahn. Sie sind zudem ferngesteuert, was einen Abschuss deutlich erschwert. 

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Oktober 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.