Yuan Longping | picture alliance / Xinhua News A

Chinesischer Forscher Yuan "Vater des Hybridreises" ist tot

Stand: 22.05.2021 11:44 Uhr

In China kennt jedes Kind den Namen Yuan Longping: Dank dem Wissenschaftler hätten die Menschen im Land genug zu essen, heißt es in den Schulbüchern. Nun ist der Züchter der ertragreichen Reissorten gestorben.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Dafür zu sorgen, dass die Menschen satt werden, und zwar auf der ganzen Welt: Das war jahrzehntelang das große Ziel von Yuan Longping. In seinem Heimatland China ist dieses Ziel inzwischen weitgehend erreicht und die Forschung des nun im Alter 90 Jahren gestorbenen Agrarwissenschaflers hat dazu maßgeblich beigetragen. Yuan und seine Forscherteams haben seit Anfang der 1970er-Jahre spezielle Reissorten gezüchtet, mit denen der Ernteertrag deutlich gesteigert werden konnte.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Angefangen habe alles mit einem Traum, hatte Yuan im Jahr 2018 im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk erinnert:

In diesem Traum stieß ich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern auf riesige Reispflanzen: Die Rispen waren so üppig wie Besen und die Reiskörner waren so groß wie Erdnüsse. In diesem Traum legten wir uns unter diesen riesigen Reispflanzen in den Schatten. Dass der Traum mit den riesigen Reispflanzen wahr wird, wurde unser Ziel. Und wir arbeiten immer noch daran.

Kollegen eines Besseren belehrt

In China kennt jedes Kind den Namen Yuan Longping. In Schulbüchern und Medienberichten wird er als "Vater des Hybridreises" beschrieben. Hybridreis: Damit gemeint ist die nachhaltige Kreuzung von besonders robusten und ertragreichen Reissorten. Bis Anfang der 1970er-Jahre waren die meisten Biologen und Agrarwissenschaftler weltweit der Meinung, dass solch eine Züchtung nicht funktionieren würde. Yuan bewies mit seinen Forschungen das Gegenteil und wurde mit dem Hybridreis zum Wissenschaftshelden in China.

Ein offizielles Papier der Kommunistischen Partei Chinas verglich die Erfindung des Hybridreises mit der ersten chinesischen Wasserstoffbombe und dem ersten chinesischen Weltraumsatelliten. Yuan wurde von der kommunistischen Staatsführung immer wieder hofiert, ausgezeichnet und zum Mitglied der sogenannten Politischen Konsultativkonferenz ernannt - einem einmal im Jahr tagenden Beratungsgremium der Kommunistischen Staatsführung. Aber:

Ich bin kein Parteimitglied. So genieße ich größere Freiheiten. Wäre ich Mitglied der Kommunistischen Partei, wäre das eine sehr strenge Angelegenheit. Parteimitglieder müssen das Volk repräsentieren. Das schaffe ich nicht. Dafür bin ich zu freigeistig und undiszipliniert. Ich habe deswegen nie eine KP-Mitgliedschaft beantragt. Ich bleibe lieber bei meinem Lebensstil: frei und undiszipliniert.
Yuan Longping im Gespräch mit Steffen Wurzel | ARD-Studio Shanghai

Yuan Longping im Gespräch mit Steffen Wurzel im Jahr 2018. Bild: ARD-Studio Shanghai

Arbeiten bis ins hohe Alter

Yuan Longping ist nach Angaben staatlicher Medien am Sonntag in einem Krankenhaus in der zentralchinesischen Stadt Changsha gestorben. In der Hauptstadt des Landesteils Hunan befand sich auch das von ihm gegründete Reis-Forschungsinstitut, an dem er in den vergangenen Jahren trotz seines hohen Alters immer noch häufig zu sehen war. "Ich habe keine festen Arbeitszeiten", hatte Yuan im Alter von 88 Jahren Yuan im Interview mit der ARD gesagt. "Wenn ich arbeiten will, gehe ich ins Büro. Wenn nicht, dann bleibe ich zuhause, schaue fern oder spiele Volleyball. Manchmal reise ich auch. Auch, wenn ich nicht mehr voll arbeite: Was ich jeden Tag tue, ist: Ich schaue nach meinen Reispflanzen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2021 um 12:43 Uhr.