Menschen warten vor einer Teststation in Peking auf einen Corona-Test. | REUTERS

Omikron in China Corona per Post?

Stand: 25.01.2022 08:43 Uhr

In der chinesischen Hauptstadt Peking soll sich eine Frau durch eine Paketsendung aus Kanada mit der Omikron-Variante angesteckt haben. Die Behörden forderten die Menschen auf, weniger im Ausland zu bestellen.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Im Staatsfernsehen werden Chinesinnen und Chinesen aufgefordert, keine Waren aus ausländischen Hochrisikogebieten zu bestellen, wenn nicht unbedingt notwendig. Sendungen aus dem Ausland sollen möglichst im Freien geöffnet werden und direkter Kontakt mit den Verpackungen so weit wie möglich vermieden werden. Man solle Masken und Handschuhe tragen, und alles gut desinfizieren.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Omikron-Ausbruch in Peking

Hintergrund der Anordnung ist ein kleinerer Omikron-Ausbruch in Peking, der inzwischen nach Angaben der Gesundheitsbehörden unter Kontrolle ist. Eine Frau soll sich über ein Paket aus Kanada angesteckt haben.

"Ich desinfiziere die Sendungen und fordere die Lieferdienste auf, dies auch zu tun", sagt eine junge Frau aus der chinesischen Hauptstadt. "Ich bestelle schon gar nichts mehr bei ausländischen Händlern. Die Pandemie ist im Ausland sehr schlimm. Ich will die Präventionsarbeit unseres Staates unterstützen."

Ein junger Mann sagt: "Kann schon sein, dass man sich bei einem Paket ansteckt. Aber bisher gibt es noch keine offizielle Bestätigung dafür." Ganz glaubwürdig finde er das nicht. "Der Zoll sagt ja auch, er überprüft alle Päckchen aus dem Ausland. Deshalb halte ich es für nicht so wahrscheinlich, sich so anzustecken."

Und sie desinfiziere Päckchen bereits, sagt eine weitere Frau. "Aber ich mache jetzt nichts besonders bei Lieferungen aus dem Ausland. Ich habe keine Angst und behandle alle Päckchen gleich, egal ob sie aus China kommen oder von außerhalb."

Ansteckung per Post theoretisch möglich

Die Nachricht an die Bevölkerung ist jedenfalls Fall klar: Die Gefahr kommt aus dem Ausland. Experten außerhalb Festlandchinas halten es allerdings für relativ unwahrscheinlich, dass man sich über Postsendungen anstecken kann. "Ich würde es nicht kategorisch ausschließen, es ist theoretisch möglich", sagt Ben Cowling, Epidemiologe und Professor an der Universität Hongkong. "Aber es scheint mir sehr unwahrscheinlich."

Cowling sei sich sicher, dass die Experten nach allen möglichen Wegen suchen, wie sich diese Frau angesteckt haben könnte. Man wisse, ein Virus könne bei kalten Temperaturen überleben. Und in diesem Fall sei es auch kalt gewesen: In Kanada, im Flugzeug und in Peking sei es kalt. "Theoretisch kann sie sich so angesteckt haben", so Cowling. "Aber ich halte das für sehr unwahrscheinlich."

Virus-Import sehr unwahrscheinlich

Vergangenes Jahr hatte die chinesische Staats- und Parteiführung schon die These vertreten, das Coronavirus könne durch importierte Tiefkühllebensmittel verbreitet werden. Auch dies halten internationale Experten und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für unwahrscheinlich.

Diese Theorie nähren dürfte indes ein neuer Delta-Ausbruch in Peking. Die Gesundheitsbehörden sagen, das Virus sei hauptsächlich durch Mitarbeiter eines Kühlhauses verbreitet worden. Am Wochenende wurden zwei Millionen Menschen im Süden der chinesischen Hauptstadt durchgetestet. Sie dürfen vorerst nicht die Stadt verlassen.

Sorge vor Reisewelle zum Neujahrsfest

Dagegen sind in der Stadt Xi'an die Beschränkungen aufgehoben worden. Dort durften wegen des größten Ausbruchs des Coronavirus in China seit Frühjahr 2020 etwa 13 Millionen Menschen in der Metropolregion seit kurz vor Weihnachten ihre Häuser nicht verlassen. Nun wurde bereits der Flughafen wieder geöffnet. Bis auf ein paar wenige Stadtviertel dürfen die Menschen die Stadt wieder verlassen.

Das Ende des Lockdowns in Xi'an kommt passend zum chinesischen Neujahrsfest in der kommenden Woche. Traditionell reisen dann hunderte Millionen Chinesinnen und Chinesen durchs Land um ihre Familien zu besuchen.

In den vergangenen beiden Jahren war die Reisewelle wegen der Corona-Pandemie kleiner ausgefallen als sonst. In diesem Jahr besteht nun die Befürchtung, dass die Menschen die hochansteckende Omikron-Variante verbreiten könnten.

Über dieses Thema berichtet NDR Info am 25. Januar 2022 um 11:35 Uhr.