Menschen stehen vor einer Apotheke in Peking an, 13.12.22 | AP

Corona in China Berichte über riesige Infektionswelle

Stand: 24.12.2022 09:28 Uhr

In China könnten sich womöglich noch deutlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben als bislang angenommen. Medien berichten über die Schätzung eines Behördenleiters, wonach sich in drei Wochen fast 250 Millionen Menschen angesteckt haben könnten.

Nach inoffiziellen Schätzungen könnten sich in China in den ersten drei Dezemberwochen rund 248 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben - dies wäre fast ein Fünftel der Bevölkerung. Allein am Dienstag dürften sich 37 Millionen Menschen angesteckt haben, geht aus Notizen eines Treffens der nationalen Gesundheitskommission in Peking hervor, die in sozialen Medien zirkulieren. Teilnehmer der Diskussion bestätigten die Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg und der "Financial Times".

Die Schätzungen stammen vom Vizedirektor des Gesundheitsamtes, Sun Yang, wie die "Financial Times" berichtete. Nach seinen Worten verbreite sich das Virus weiter schnell im Milliardenvolk. So seien mehr als die Hälfte der 81 Millionen Bewohner der südwestchinesischen Provinz Sichuan oder der 21 Millionen in der Hauptstadt Peking infiziert. In der offiziellen Statistik ist für die genannten drei Dezemberwochen landesweit aber nur von 62.000 Infektionen die Rede.

Chinesische Stadt meldet halbe Million Infektionen täglich

Ein hochrangiger Behördenvertreter hat laut der Nachrichtenagentur AFP allein in einer einzigen Stadt täglich rund eine halbe Million neue Corona-Infektionen angegeben. Es gebe in Qingdao jeden Tag "zwischen 490.000 und 530.000 Neuinfektionen", wurde der Chef der dortigen Gesundheitsbehörde von einem von der regierenden Kommunistischen Partei betriebenen Internetportal zitiert.

Das Virus verbreite sich  "rasend schnell" in der im Osten des Landes gelegenen Stadt, sagte Bo Tao. Das Internetportal veröffentlichte seinen Artikel am Freitag, dieser wurde von mehreren weiteren Medien verbreitet. Auf dem Internetportal selbst wurde der Artikel aber inzwischen offenbar überarbeitet - am Samstag waren die von Bo genannten Zahlen nicht mehr zu finden. In Qingdao leben rund zehn Millionen Menschen.

Zudem rief die chinesische Wirtschaftsmetropole Shanghai die Bevölkerung auf, wegen der Ausbreitung des Coronavirus am Weihnachtswochenende auf Reisen zu verzichten und zu Hause zu bleiben. Vor allem an jüngere Menschen appellierte die Gesundheitskommission der Stadt, große Versammlungen zu vermeiden.

Weihnachten wird in der Volksrepublik zwar nicht traditionell gefeiert, doch verbringen viele junge Paare und Familien die Feiertage zusammen. Shanghai veranstaltet üblicherweise einen großen Weihnachtsmarkt in einem luxuriösen Einkaufsviertel, Restaurants und Einzelhändler bieten Sonderaktionen an. Wegen des Coronavirus ist dies allerdings eingeschränkt.

Von Null-Covid zur "Corona-Erkältung"

Während Krankenhäuser überfüllt sind und viele Krematorien die Leichen nicht mehr schnell genug einäschern können, geben die amtlichen Zahlen längst keinen Überblick mehr über das wahre Ausmaß der Infektionswelle. Nach Hochrechnungen von Experten muss mit Hunderttausenden von Toten gerechnet werden. Die Notizen von der Diskussion gehen allerdings nicht auf die Todeszahlen ein.

China hatte unter dem Eindruck von Protesten gegen die harten Corona-Maßnahmen der Regierung seine Null-Covid-Politik am 7. Dezember abrupt aufgehoben. Seitdem wird die Schwere der Erkrankung heruntergespielt - nachdem chinesische Experten zuvor immer eindringlich vor den Gefahren des Coronavirus gewarnt hatten, um die Null-Covid-Politik zu begründen. Der führende Regierungsberater und renommierte Epidemiologe Zhong Nanshan schlug vor, Covid-19 nur noch "Corona-Erkältung" zu nennen.

Handelskammer rechnet mit Normalisierung im Frühjahr

Trotz der derzeit massiv steigenden Infektionszahlen erwartet die Deutsche Handelskammer eine Rückkehr zur Normalität im Frühjahr. "Zwei Wochen nach Abschaffung der Null-Covid-Politik sind die Fallzahlen in ganz China explosionsartig gestiegen", sagte Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Handelskammer in Peking. Deutsche Unternehmen seien vielerorts mit Personalausfällen konfrontiert - nicht selten sei ein Großteil der Beschäftigten abwesend. Es komme auch zu Lieferkettenengpässen, weil auch in der Logistik viele Mitarbeiter krank seien.

Viele Unternehmen seien allerdings gut vorbereitet, weil sie zum Beispiel Lagerbestände aufgestockt hätten. Auch wüssten sie, wie sie mit Infektionswellen umgehen müssen. "Dadurch gelingt es, die Produktion im Großen und Ganzen oder zum Teil verlangsamt aufrecht zu erhalten", sagte Hildebrandt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Dezember 2022 um 09:00 Uhr.