Die App Clubhouse auf einem Smartphone. | AP

Nach kritischen Debatten China sperrt Clubhouse-App

Stand: 09.02.2021 10:34 Uhr

Die Audio-App Clubhouse ist seit einigen Wochen in Deutschland verfügbar. Dort können Nutzer Themen diskutieren. In China sperrte die Staatsführung die App jetzt, weil dort vermehrt politisch heikle Themen debattiert wurden.

Nach kritischen Diskussionen im sozialen Netzwerk Clubhouse hat China Staatsführung die beliebte Talk-App gesperrt. Nutzer in der Volksrepublik seien nicht mehr in der Lage, sich mit der Plattform zu verbinden, bestätigte der Webdienst Great Fire, der chinesische Internetblockaden verfolgt.

Zuvor war es der US-App offenbar zumindest mehrere Tage gelungen, die Zensur zu umgehen. Immer mehr chinesische Nutzer hatten sich angemeldet und intensiv über in China heikle und zensierte Themen wie die Unterdrückung muslimischer Uiguren, die Demokratiebewegung in Hongkong und Taiwans Unabhängigkeitskonzept diskutiert. Experten hatten daher bereits gewarnt, dass Peking den Zugriff auf die App bald einschränken könnte.

Dass die Audio-App den chinesischen Meinungswächtern ein Dorn im Auge ist, machte auch die "Global Times" deutlich, die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird. "Clubhouse ist kein Zufluchtsort für freie Meinungsäußerung", titelte das Blatt. Ohnehin sind in China soziale Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram sowie selbst Google und viele ausländische Medien-Webseiten gesperrt. Chinesische Plattformen sind streng zensiert.

Diskussionen mit Uiguren

Clubhouse stand schon seit Oktober nicht mehr im chinesischen Apple-Store zur Verfügung, trotzdem erfreute sich die App zunehmender Beliebtheit. Nutzer umgingen die in China üblichen Internetsperren und benutzten ausländische Apple-IDs, um die im vergangenen Frühjahr in den USA entwickelte App herunterzuladen. Dort können Nutzer per Audio verschiedene "Räume" besuchen, in denen Menschen miteinander über verschiedene Themen reden.

Beobachter berichten von offenen und emotionalen Diskussionen zwischen Uiguren und Vertretern der Mehrheit der Han-Chinesen mit Hilfe der Plattform. "Ich bin in einem von Taiwanern geführten Raum im Clubhouse, wo 4000 Mandarin-Sprachige - einschließlich Uiguren und Han-Chinesen in China und außerhalb - über alles reden", twitterte die in Berlin lebende Journalistin Melissa Chan. "Von Überwachung, über Freunde, die gerade Umerziehungslager hinter sich haben, bis hin zu alltägliche Sachen."

Sorge vor Nachverfolgung der Handynummern

Nach der offenbar am Montagabend Ortszeit verhängten Sperre wurde berichtet, dass auch Prüfcodes für Einladungen auf chinesischen Telefonnummern nicht mehr empfangen werden konnten. Eine Teilnahme in einer Clubhouse-Diskussion erfolgt nur auf Einladung. Diese konnten allerdings auch im chinesischen Internet für bis zu 300 Yuan, umgerechnet 38 Euro, gekauft werden.

Beobachter äußerten ihre Sorge, dass sich viele Nutzer in China mit ihrer chinesischen Handynummer registriert haben, die mit der persönlichen Identifikationsnummer verbunden ist. Die chinesische Staatssicherheit könnte damit Teilnehmer an Diskussionen ausfindig machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Februar 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.