Plastikmüll an einem Strand von Malaysia

UN-Artenschutzkonferenz startet Globales Treffen mit ambitionierten Zielen

Stand: 11.10.2021 08:13 Uhr

Mehr Naturschutzflächen, weniger Giftstoffe in der Landwirtschaft, besserer Schutz vor Plastikmüll: Im chinesischen Kunming und virtuell beginnt die 15. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Die chinesischen Staatsmedien werben seit Wochen für die UN-Veranstaltung in Kunming. Die Volksrepublik stellt sich als Vorreiter im Arten- und Naturschutz dar: Im Staatsfernsehen sind saftig grüne Wiesen zu sehen, Regenwälder, Pandas und Affen. Dass China mit riesigen Umweltproblemen zu kämpfen hat, wird nicht erwähnt.

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Eines der Probleme ist, dass im bevölkerungsreichsten Land der Welt im Alltag extrem viel Plastik verwendet wird. Das sagt Zhou Jinfeng von der nicht-staatlichen Stiftung für den Schutz von biologischer Vielfalt und grüner Entwicklung im Gespräch mit der ARD. Da sei zum Beispiel der CO2-Ausstoß, der bei der Produktion von Plastik entstehe.

"Wir können uns die Luftverschmutzung, die Umweltverschmutzung nicht mehr leisten. Da sind der ganze Müll in den Deponien und die Plastikreste in Flüssen, Seen und Meeren. Ein Beispiel: Jedes Schuljahr werden allein in China Milliarden Bücher in Plastikschutzhüllen verpackt. Das ist enorm. Und wir sind absolut dagegen", so Zhou Jinfeng.

Bei der Artenvielfalt-Konferenz in Kunming dürfte es vor allem darum gehen, wie man die reichen Länder aus dem Norden dazu bewegen kann, die ärmeren Länder im Süden finanziell zu unterstützen.

Am Ende der Konferenz wollen die teilnehmenden Staaten ein Abkommen zur Artenvielfalt unterschreiben. Einen ersten Entwurf gibt es bereits. Darin werden zahlreiche Ziele formuliert: So sollen bis zum Ende des Jahrzehnts mindestens 30 Prozent der Erdoberfläche unter Schutz gestellt werden - das bezieht sich auf die Landfläche und die Meere. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft soll um zwei Drittel reduziert werden, die Verschwendung von Lebensmitteln und Ressourcen halbiert und die Umweltverschmutzung mit Kunststoffen gestoppt werden.

Investitionen sollen verdoppelt werden

Um all dies zu erreichen ist geplant, bis 2030 doppelt so viel Geld auszugeben für den Schutz der biologischen Vielfalt - rund 175 Milliarden Euro jährlich weltweit.

Dieses Treffen sei entscheidend, sagte die Generalsekretärin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Inger Andersen, im chinesischen Staatsfernsehen. "Bei diesem Gipfel geht es darum, die Menschheit zu schützen. Wenn Biodiversität in Gefahr ist, sind auch die Leben von Menschen gefährdet. Wir müssen ja schließlich die Lebensmittel produzieren, die wir essen", so Andersen. "Wir müssen aber auch verstehen, dass Landwirtschaft den Verlust von Artenvielfalt vorantreiben kann. Wie schaffen wir also den Wandel? Wir haben jetzt die Chance den Verlust der Biodiversität zu stoppen."

Die heute beginnende UN-Konferenz unter der Präsidentschaft Chinas sollte eigentlich schon vergangenes Jahr beginnen, sie wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. In den kommenden Tagen schalten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt hauptsächlich online zusammen. Die chinesische Delegation kommt im südchinesischen Kunming zusammen, morgen wird sich auch Staats- und Parteichef Xi Jinping dazuschalten.

Minister Schulze und Müller nehmen online teil

Von der Bundesregierung reist niemand persönlich an. Deswegen nehmen Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Entwicklungsminister Gerd Müller online teil. Zu Ende geht die Konferenz mit einem Präsenztreffen im April und Mai in Kunming dann wollen die teilnehmenden Staaten das Strategiepapier verabschieden.

Wie das logistisch genau ablaufen wird, ist derzeit noch unklar. China lässt wegen seiner strikten Null-Covid-Politik so gut wie keine Menschen ins Land. Wer einreisen darf, muss derzeit bis zu drei Wochen in Hotel-Quarantäne.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Wohlergehen 11.10.2021 • 17:04 Uhr

@ weingasi1 16.20

Der Atomausstieg war nicht überstürzt, sondern lange überfällig - erfreulicherweise erkannte das Frau Merkel dann - leider erst nach Fukushima. Es gibt aber auch Menschen, die Plastik vermeiden, den Zinkeimer benutzen - aber nicht für einen umweltschädlichen Kamin. Weiter oben unterstellen Sie einem von mir sehr geschätzten Foristen "Schwarzmalerei"... Fakt ist das "Steak essen", in Urlaub fliegen... schädlich für die Umwelt und damit ein ignorantes Verhalten gegenüber nachfolgenden Generationen sind. Auch wenn Sie das alles nicht interessiert, ist es so.