Die Bewohner in Cherson feiern den Rückzug der russischen Truppen. | dpa

Nach Rückzug der russischen Truppen 2000 Minen in Cherson geräumt

Stand: 13.11.2022 09:24 Uhr

Während die Ukrainer den Rückzug der russischen Truppen aus Cherson feiern, hat das Aufräumen begonnen. Bisher seien 2000 Minen entschärft worden, sagte Präsident Selenskyj. Es gibt Versorgungsengpässe beim Strom und Wasser.

Wenige Tage nach dem Rückzug der russischen Truppen sind Vertreter der ukrainischen Gebietsverwaltung und von Sicherheitsorganen in die befreite Stadt Cherson im Süden des Landes zurückgekehrt. So hätten etwa Polizei und Geheimdienst ihre Arbeit in Cherson schon wieder aufgenommen, sagte Gouverneur Jaroslaw Januschewytsch in einem Video, das ihn im Zentrum der Gebietshauptstadt zeigte. Eine der Hauptaufgaben bestehe derzeit darin, die Region von Minen zu räumen, so Januschewytsch.

2000 Sprengsätze seien bereits entschärft worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er berichtete von massiven Zerstörungen in der Region. "Vor der Flucht aus Cherson haben die Besatzer die ganze kritische Infrastruktur zerstört - Kommunikation, Wasserversorgung, Heizung, Strom."

Die ukrainischen Truppen haben Selenskyj zufolge inzwischen rund 60 Ortschaften in der Region Cherson zurückerobert. Nach acht Monaten russischer Besatzung kann wieder ukrainisches Fernsehen empfangen werden. Der regionale Energieversorger teilte mit, er arbeite an einer Wiederherstellung der Stromversorgung.

"Kritischer Wassermangel"

Ein Berater des ukrainischen Bürgermeisters von Cherson berichtete im ukrainischen Fernsehen von massiven Versorgungsengpässen. "Jetzt hat die Stadt einen kritischen Wassermangel, weil es praktisch keine Wasserversorgung gibt. Es gibt nicht genug Medikamente, es gibt nicht genug Brot, weil nichts gebacken wird."

Es gebe keinen Strom und dementsprechend gebe es Probleme mit Lebensmitteln. "Ich denke, dass dieses Problem in naher Zukunft gelöst wird. Wir bereiten eine humanitäre Fracht in der Nähe von Cherson vor, um den Bewohnern bei der Lösung dieser Probleme so schnell wie möglich zu helfen", sagte der Berater.

Ausgangssperre verhängt

Die ukrainische Armee veröffentlichte Bilder von Bewohnern Chersons, die um ein Lagerfeuer tanzen und das patriotische Lied "Scherwona Kalyna" singen. Plakate der Besatzer wurden heruntergerissen und durch blau-gelbe ukrainischen Fahnen ersetzt. Januschewytsch zeigte sich "sehr glücklich, hier zu sein, in diesem historischen Augenblick". Es werde alles für eine "Rückkehr zu einem normalen Leben" getan.

Neben der Räumung von Minen wurde eine Ausgangssperre verhängt und der Zutritt zur Stadt eingeschränkt. Rund 200 Polizisten seien nach Cherson entsandt worden, um Straßensperren zu errichten und "die Verbrechen der russischen Besatzer" zu dokumentieren, erklärte Polizeichef Igor Klymenko.

Russland hatte das Gebiet Cherson kurz nach Beginn seines Angriffskriegs Ende Februar weitgehend erobert und im September - ebenso wie die Gebiete Saporischschja, Luhansk und Donezk - völkerrechtswidrig annektiert. Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven zog Moskau in den vergangenen Tagen seine Truppen aus allen Teilen Chersons ab, die nordwestlich des Flusses Dnipro liegen.

Räumung von Nowa Kachowka

Auf der anderen Seite des Dnipro kündigten die russischen Besatzer unterdessen die Evakuierung der Staudamm-Stadt Nowa Kachowka an. Die Verwaltung von Kachowka ziehe sich zusammen mit den Bürgern der Stadt an einen sicheren Ort zurück, teilte der örtliche Besatzungschef Pawel Filiptschuk nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass mit. Befürchtet wird, dass der Staudamm durch Beschuss zerstört und das Gebiet überflutet werden könnte. Russen und Ukrainer werfen sich seit Wochen gegenseitig vor, eine solche Provokation zu planen.

Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Verwaltung von Kachowka als Ziel "Nummer eins für einen Terroranschlag" in der Region ausgemacht, behauptete Filiptschuk. Die Ukraine weist Sabotageabsichten zurück.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. November 2022 um 10:00 Uhr.